Standort: science.ORF.at / Meldung: "Was gegen eine Aids-Heilung spricht"

Entleerte Kunststoffdosen und diverse Tabletten.

Was gegen eine Aids-Heilung spricht

Forscher wissen offenbar noch zu wenig darüber, wie und wo HI-Viren im Körper überleben. "Wir haben noch fundamentale Wissenslücken", sagte Frank Maldarelli von der City University of New York bei der Internationalen Aids-Konferenz in Wien.

Aids 2010 22.07.2010

"Alle derzeitigen Medikamente wirken nur gegen die Virus-Vermehrung, nicht gegen in Zellen verborgene Aids-Erreger", so Maldarelli.

Virale Refugien

Die Konferenz im Internet

Die internationale Aids-Konferenz AIDS 2010 wird zum Teil live im Internet übertragen und in science.ORF.at mit einem Themenschwerpunkt begleitet.

Programmhinweise

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Weitere Sendungen in den Ö1-Dimensionen, jeweils um 19.06 Uhr:

Die Welt-Aids-Konferenz in Wien (18. -23. Juli 2010). Gestaltung: Franz Zeller

Wie Politik den Umgang mit der Pandemie beeinflusst. Gestaltung: Birgit Dalheimer

Das erste Problem liegt in den vielen Verstecken, in denen sich das Immunschwächevirus im Körper verbergen kann. Maureen Goodenow, Pathologin und Direktorin des Aids-Forschungs-Zentrums im US-Bundesstaat Florida: "Erstens kann HIV verschiedene Immunzellen infizieren. Zweitens zirkulieren die Viren im ganzen Körper. Das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark, Anm.) könnte ein solches Rückzugsgebiet sein. Schließlich gibt es die Frage, wie das Virus überlebt - nur durch eine ganz geringe Vermehrungsrate oder auch nur als Erbsubstanz in ruhenden Zellen. Mit unseren derzeitigen Therapien können wir jedenfalls keines dieser Reservoirs leeren."

Heilung des "Berliner Patienten"

Maldarelli listete die derzeit untersuchten Möglichkeiten auf, eine Ausheilung einer HIV-Infektion anzusteuern: "Man versucht in klinischen Studien, die Therapie noch einmal zu intensivieren. Ein anderes Konzept ist es, ruhende HIV-infizierte Immunzellen zur Virusproduktion zu aktivieren und sie dann medikamentös zu treffen. Bisher hatte das aber wenig Effekt auf die Zahl der HI-Viren im Blut."

Die große Ausnahme ist und bleibt derzeit der sogenannte "Berliner Patient". Maldarelli: "Dieser Patient hatte neben einer HIV-Infektion auch eine Leukämie und bekam Spender-Knochenmark (nach der Zerstörung seines Immunsystems mit dem Knochenmark vor der Transplantation, Anm.). Ihm geht es gut. Er hat keine HI-Viren im Blut und lebt seit zwei Jahren ohne Aids-Medikamente."

science.ORF.at/APA

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