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Asien: Homosexuelle schwer diskriminiert

Homosexuelle und Transgender werden in vielen Ländern Asiens und der Pazifikregion diskriminiert und verfolgt. Die Auswirkungen auf HIV-Erkrankungen sind desaströs.

Gesellschaft 22.07.2010

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) und der Asia Pacific Coalition on Male Sexual Health (APCOM), die auf der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien präsentiert wurde.

Todesstrafe in Afghanistan und Pakistan

Erhoben wurde dabei die Situation in 48 Staaten. Davon ist Sex zwischen Männern in 20 Ländern illegal, wobei in Indien in dieser Frage eine Höchstgerichtsentscheidung aussteht. In weiteren acht Ländern werden prohibitive Gesetze gegen Prostitution nur gegen Homosexuelle und Transgender angewandt. In den vier Ländern Malaysia, Afghanistan, Tonga und Samoa ist auch das Crossdressing verboten.

Auf männliche Homosexualität steht in Afghanistan und Pakistan die Todesstrafe, in zahlreichen weiteren Ländern wie Brunei, Malediven oder Malaysia wird sie mit Auspeitschen bestraft. In lediglich acht von 48 Ländern gibt es einen rechtlichen Schutz für sexuelle Minderheiten, darunter in Hongkong, Nepal oder Südkorea. Auffällig sei dabei eines, so Studienautor John Godwin: "Die Länder, die kriminalisieren, sind entweder ehemalige britische Kolonien, oder vom britischen Recht beeinflusst."

Hohe Infektionsquoten

Die Konferenz im Internet

Die internationale Aids-Konferenz AIDS 2010 wird zum Teil live im Internet übertragen und in science.ORF.at mit einem Themenschwerpunkt begleitet.

Die Auswirkungen dieser Politik auf die HIV-Frage sei fatal. Jetzt schon beträfen in der gesamten Region zwischen zehn und 30 Prozent der HIV-Neuinfektionen Homosexuelle. Bis 2020 wird die Zahl auf 50 Prozent aller Neuinfektionen steigen. Die HIV-Rate unter Transgendern in Neu Delhi liege bei 49 Prozent, in Mumbai bei 42 Prozent.

Konfiszierte Kondome

Zugleich sendeten die staatlichen Stellen widersprüchliche Signale aus. So würden in 22 Staaten Homosexuelle und Transgender als HIV-Präventionszielgruppe genannt - zugleich sei in acht dieser Staaten die Homosexualität verboten.

Abseits der direkten Verfolgung der Betroffenen erstrecke sich die Diskriminierung auf zahlreiche weitere Felder: Kondome und Informationsmaterial würden konfisziert, Zensur verhindere Publikationen, um die Menschen zu informieren. Da Diskriminierung viele Arbeitsstellen versperre, bliebe vielen nur die Prostitution als Möglichkeit des Unterhalts.

"Eine Form des Genozids"

Programmhinweise

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Die Welt-Aids-Konferenz in Wien (18. -23. Juli 2010). Gestaltung: Franz Zeller

Wie Politik den Umgang mit der Pandemie beeinflusst. Gestaltung: Birgit Dalheimer

Zudem ist die Behandlungssituation in der Region desaströs: Neun von zehn HIV-infizierten Homosexuellen erhalten überhaupt keine Behandlung. "Es ist eine Form des Genozids", so APCOM-Direktor Shivananda Khan.

Umso wichtiger sei die nun vorliegende Studie: "Wir haben 20 Jahre auf diesen Report gewartet." Als Konsequenz müsse man nun pragmatisch auf die Führer der betroffenen Länder zugehen: "Man muss auch mit den Mullahs reden - die tun ihren Job, und wir tun unseren." Denn es gebe in den nächsten 50 Jahren keine Chance, dass die afghanische oder die pakistanische Regierung ihre Kriminalisierung der Homosexualität aufhebe. Man müsse also versuchen, die konkrete Diskriminierung auf lokaler Ebene zu mindern.

Für die UNO sei die Studie von extremer Bedeutung, unterstrich Jeffrey O'Malley von UNDP: "Wir hatten bisher keine gute Datengrundlage." Nun werde der Zusammenhang zwischen Gesetzgebung und den tatsächlichen Auswirkungen im Gesundheitssystem evident: "Es werden Ressourcen verschwendet, wenn das HIV-Geld in Populationen geht, die keine Risikogruppe sind."

Diese Debatte sei mithin auch von eminenter Bedeutung in der Effizienzdebatte um den Global Fund, was man auch mit den Vertretern an Ort und Stelle - aus dem Gesundheits-und dem Justizbereich - klären müsse: "Wir könnten wesentlich bessere Arbeit mit den vorhandenen Ressourcen machen, wenn das rechtliche Umfeld stimmen würde."

science.ORF.at/APA

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