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Entleerte Kunststoffdosen und diverse Tabletten.

Placebo: Größere Erwartung - größere Wirkung

Menschen zeigen eine stärkere neurochemische Reaktion auf wirkstofflose Medikamente, sogenannte Placebos, wenn sie glauben, mit großer Wahrscheinlichkeit ein richtiges Medikament zu erhalten. Das zeigt eine Studie, bei der Placebos speziell an Parkinsonerkrankten getestet worden sind.

Medizin 03.08.2010

„Die Faktoren zu verstehen, welche den Placebo-Effekt beeinflussen, ist von bedeutender medizinischer wie wissenschaftlicher Relevanz“. Das steht als Hintergrundinformation in der Studie von Sarah C. Lidstone und ihren Kollegen. Bei Patienten mit der Parkinsonkrankheit lässt sich diese Auswirkung eines Placebos klinisch am Neurotransmitter Dopamin messen. Und genau das untersuchte das Team des kanadischen University of British Columbia Hospitals in Vancouver: Wie die Erwartung einer klinischen Besserung die tatsächliche Ausschüttung von Dopamin bei Verabreichung von Placebos beeinflusst.

Die Studie

Effects of Expectation on Placebo-Iduced Dopamine Release in Parkinson Disease von Sarah C. Lidstone, Pacific Parkinson’s Research Centre and University of British Columbia, Vancouver

Dazu wurde 35 an leichter bis gemäßigter Parkinson erkrankten Personen gesagt, sie würden entweder ein aktives, also tatsächlich wirksames Medikament, oder nur ein Placebo erhalten. Die Testpersonen wurden in vier Gruppen aufgeteilt: Den Teilnehmern der ersten erklärte man, sie würden mit 25 prozentiger Wahrscheinlichkeit ein richtiges Medikament erhalten. Der zweiten Gruppe versprach man 50 Prozent, der dritten 75 und der letzten Gruppe absolute Wahrscheinlichkeit, ein wirksames Medikament zu erhalten. Tatsächlich wurden aber allen Teilnehmern nur Placebos verabreicht.

Der Glaube kann Berge versetzen

Die Kandidaten wurden mittels Positronen-Emissions-Tomographie jeweils ohne Behandlung, nach einer Behandlung mit einem richtigen Medikament und nach der Behandlung mit dem Placebo gescannt. Dabei konnte festgestellt werden, dass nach dem letzten Scan die Gruppe mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit jene mit dem höchsten Dopaminausstoß im Gehirn war. Das zeigt laut den Forschern, dass der Glauben an eine Verbesserung in direktem Zusammenhang mit der Ausschüttung gebracht werden kann.

Interessanterweise konnte in den anderen drei Gruppen, auch der mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit, keine große Veränderung des Dopaminausstoßes festgestellt werden. Die Ärzte und Forscher betonen, dass diese Studie speziell auf an Parkinson Erkrankte zugeschnitten wurde.

science.ORF.at

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