Standort: science.ORF.at / Meldung: "Die Gene des Fettstoffwechsels"

Die Gene des Fettstoffwechsels

Wissenschaftler haben 95 Abschnitte im menschlichen Erbgut gefunden, die den Fettstoffwechsel beeinflussen. Damit könnten langfristig gesehen neue Wege zur Behandlung und Prävention von Herz-Kreislaufkrankheiten gefunden werden.

Medizin 04.08.2010

Experten des Helmholtz Zentrums München, einer deutschen Forschungseinrichtung für Gesundheit und Umwelt, haben gemeinsam mit Kollegen vom Global Lipids Genetics Consortium 95 Gen-Orte im menschlichen Genom ausfindig gemacht, die jeweils mit mindestens einer der vier wichtigsten Größen des Fettstoffwechsels in Zusammenhang stehen: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceriden.

"Mit dieser Analyse ist es uns sogar gelungen, Genvarianten zu finden, die nicht nur mit erhöhten Fettwerten, sondern zugleich mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sind", erklärt Christian Gieger vom Institut für Epidemiologie vom Helmholtz Zentrum.

Die Studie:

"Biological, clinical and population relevance of 95 loci for blood lipids" von Tanya M. Teslovich et al. in "Nature".

Das bedeutet, an den gefunden Gen-Orten befinden sich tatsächlich Gene mit direkter Bedeutung für den Fettstoffwechsel, die auch relevant für mögliche Therapieformen sein können.

Genome von mehr als 100.000 Menschen untersucht

Bei der Studie handelte es sich um die erste genomweite Assoziationsstudie dieser Art. Insgesamt sind mehr als 100.000 Probanden untersucht worden. "Häufig wird argumentiert, dass große Meta-Analysen mit mehr als 100.000 Probanden für die Biologie komplexer Erkrankungen wenig Aussagekraft besitzen. Unsere Studie widerlegt diese These", sagte Erich Wichmann, ebenfalls vom Institut für Epidemiologie.

"Einige der neu entdeckten Gen-Orte besitzen vielmehr klare biologische und klinische Relevanz", sagt Thomas Meitinger. "Bei genauerer Untersuchung der Gen-Orte haben wir sogar Genvarianten gefunden, von denen wir wissen, dass sie einen molekularen Ansatzpunkt für cholesterinsenkende Medikamente bieten. Das heißt, diese Genvarianten erhöhen das Potenzial für neue Zielstrukturen und damit therapeutische Ansätze."

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: