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Rapsblüte im Gegenlicht

USA: Wildwuchs von genmanipuliertem Raps

Forscher haben festgestellt, dass sich genmanipulierte Pflanzen offensichtlich schon seit längerem in der freien Natur Amerikas verbreiten. Demnach weisen bereits 80 Prozent der untersuchten Pflanzen manipulierte Genstrukturen auf.

Gentechnik 06.08.2010

Zum ersten Mal seien genmanipulierte Pflanzen in den USA in der freien Natur entdeckt worden. Ein Team der University of Arkansas in Fayetteville hatte wild wachsenden Raps auf mögliche Spuren von Genmanipulation untersucht. "Das Ausmaß der Verbreitung ist beispiellos", sagt Cynthia Sager, Ökologin und Chefin des Teams zum Wissenschaftsmagazin "Nature".

Die Wissenschaftler haben entlang von Straßen in North Dakota wild wachsenden Raps gesammelt. Die Untersuchung ergab, dass mehr als 80 Prozent der Pflanzen so genannte Transgene enthielten. Diese Transgene machen den Raps resistent gegen Unkrautbekämpfungsmittel. Von den circa 80 Prozent positiv getesteten Gewächsen waren etwas mehr als die Hälfte gegen das Unkrautmittel "Roundup" resistent, die andere Hälfte gegen "Liberty". Die Forscher fanden sogar zwei Pflanzen, die gegen beide Mittel immun waren.

Auswirkungen unklar

Die Entdeckung von Raps, der gegen mehrere Wirkstoffe resistent ist, bezeuge die Tatsache, dass sich genmanipulierte Pflanzen schon länger frei durch die Natur bewegen. Weitere Studien seien nötig, um die möglichen Auswirkungen abzuklären. Die multiresistenten Gewächse könnten allerdings zum Unkrautproblem für die Landwirte werden.

Laut "Nature" wird in den USA seit 1990 mit genmanipulierter Saat gearbeitet. Seither hat sich der Staat zum weltweit größten Produzent von genmanipulierten Gewächsen entwickelt. 46 Prozent der weltweiten Anbaufläche befinden sich dort.

Andere Sichtweise in Europa

In der EU wird der Anbau von genmanipuliertem Gewächsen strenger reguliert. Bisher galt eine Erlaubnis des genmanipulierten Anbaus nur für bestimmte Sorten von Erdäpfeln, Zuckerrüben, Sojabohnen, Raps, Baumwolle und Maisprodukte. Alle Produkte müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Aber auch wegen der insgesamt geringen Anbaufläche von genmanipuliertem Obst und Gemüse ist die Gefahr von wilden genmanipulierten Pflanzen weit geringer als in den USA.

Das fragliche EU-Gesetz könnte jedoch bald geändert werden. Alle Mitgliedsstaaten sollen in Zukunft selbst entscheiden dürfen, ob sie den Anbau von genmanipulierten Obst und Gemüse zulassen wollen. Österreich hat bei dieser Entscheidung eine Vorreiterrolle übernommen.

science.ORF.at/APA

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