Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der Mond schrumpft"

Der Mond

Der Mond schrumpft

Aufnahmen der Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter deuten darauf hin, dass der Durchmesser des Mondes innerhalb der vergangenen Milliarden Jahre um etwa 100 Meter abnahm. Grund für die Verkleinerung ist offenbar die Abkühlung des Trabanten.

Kosmos 19.08.2010

Forscher um Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington analysierten Aufnahmen verschiedener Apollo-Missionen und der vor einem Jahr gestarteten Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter, die den Mond kartiert. Dabei bemerkten die Forscher zahlreiche gewundene Steilhänge, die offenbar über die gesamte Oberfläche verteilt sind.

"Diese relativ jungen, global verteilten Verwerfungen zeigen eine junge Kontraktion des gesamten Mondes, wahrscheinlich als Folge der Abkühlung im Innern", sagt Watters. Der Erdbegleiter entstand vor etwa 4,5 Milliarden Jahren. Vermutlich kollidierte damals ein Mars-großer Himmelskörper mit der Erde. Der Durchmesser des Mondes beträgt knapp 3.500 Kilometer.

Relativ kleine Gebilde

Als der Mond abgekühlt ist und sich zusammengezogen hat, erhob sich eine Falte auf der Mondoberfläche, hier im Krater Gregory.

NASA/GSFC/Arizona State University/Smithsonian

Als der Mond abgekühlt ist und sich zusammengezogen hat, erhob sich eine Falte auf der Mondoberfläche, hier im Krater Gregory.

Die Steilhänge sind nicht sehr groß, der höchste ist rund 100 Meter hoch und einige Kilometer lang; die meisten sind kürzer und nur 30 bis 40 Meter hoch. Die Forscher glauben, dass es sich um eine der jüngsten Ausprägungen des Mondes handelt, da sie einige kleine Krater durchkreuzen.

Da der Erdtrabant ständig von Meteoren bombardiert wird, geht man davon aus, dass kleine Krater mit einem Durchmesser von weniger als 400 Meter relativ jung sind - denn diese werden von größeren und mächtigeren Einschlägen relativ rasch wieder verdrängt. Wenn sich nun die Falten in den kleinen Kratern befinden, kann man daraus schließen, dass auch diese jüngeren Datums sind.

Weiter geologisch aktiv

Verwerfungen und Abhänge dieser Art wurden erstmals von den Apollo-Missionen Anfang der 1970er Jahre rund um den Mondäquator aufgenommen. Die neuen NASA-Bilder zeigen nun 14 weitere solcher Strukturen, die auch an den Polen liegen. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass sie auf seiner gesamten Oberfläche zu finden sind.

Thomas Watters spekuliert, dass der Mond weiter geologisch und tektonisch aktiv ist, und deshalb auch heute noch schrumpft. Wenn das der Fall ist, könnten die Mondfalten weiter wachsen. Die Kontraktion könnte auch einige der Mondbeben ausgelöst haben, die bereits in den 1970er Jahren von Astronauten gemessen worden sind.

Die Forscher wollen ihre aktuellen Aufnahmen deshalb mit denen der Apollo-Mission konfrontieren und die Größen der Falten vergleichen.

science.ORF.at/dpa

Mehr zu diesem Thema: