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Außenansicht des Kongresszentrums beim in Alpbach

Technologiegespräche: Neues und Bekanntes

Dass die künftige Forschungsstrategie für Österreich nicht bei den Technologiegesprächen in Alpbach vorgestellt werden würde, war schon im Vorfeld bekannt. Dennoch gibt es Neuigkeiten zu Beginn des Events: Hannes Androsch soll Chef des Forschungsrats werden - und vielleicht wird es bald neben den Technologie- auch Forschungsgespräche geben.

Forum Alpbach 26.08.2010

Das ist zumindest der Wunsch von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), den sie am Donnerstag im Rahmen der Eröffnung der Gespräche äußerte. Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) präsentierte die ihr zustehenden Nominierungen für vier Mitglieder des neu zu bestellenden Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Sie wünscht sich den Industriellen Hannes Androsch als neuen RFT-Vorsitzenden.

Androsch und drei Frauen in den Rat

Technologiegespräche in Alpbach

Von 26. bis 28. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet "Entwurf und Wirklichkeit in Forschung und Technologie". Dazu diskutieren Minister, Nobelpreisträger und internationale Experten.

Beiträge zum Forum Alpbach 2010

Androsch ist neben seinen wirtschaftlichen Tätigkeiten Aufsichtsratschef des Austrian Institute of Technology (AIT) und Vorsitzender des Uni-Rats der Montanuni Leoben. Für Bures verbindet er damit Wirtschaft mit Wissenschaft.

Weiters nominiert Bures Gabriele Ambros, Verlagsleiterin beim Bohmann Verlag und Präsidentin von Forschung Austria, die Unternehmensberaterin Karin Schaupp und die Biotechnologin Gi Eun Kim, Professorin an der Seokyeong University in Seoul (Südkorea). Kritisch sieht Bures, dass Karl erst mit Beschluss der Forschungsstrategie - also voraussichtlich frühestens im Dezember mit der Budgetrede - die ihr zustehenden RFT-Mitglieder nominieren will.

"Alpbacher Forschungsgespräche"?

Ö1 Hinweise:

Eine Reihe von Sendungen begleitet das Europäische Forum Alpbach 2010 in Ö1. Die Technologiegespräche stehen im Mittelpunkt von Beiträgen in den Journalen, in Wissen aktuell, in den Dimensionen (Freitag, 27.8., und Montag, 30.8, 19.06 Uhr) und bei der Kinderuni (Sonntag, 19.9. und 17.11).

Mitglieder des Ö1 Club erhalten beim Europäischen Forum Alpbach eine Ermäßigung von zehn Prozent.

Karl hält es dagegen für "nicht zielführend", vor Beschluss der Forschungsstrategie über die Bestellung ihrer Forschungsrats-Mitglieder zu reden. "Ich will jenen Personen, die ich nominiere, einen klaren Weg in Form der Forschungsstrategie vorzeigen." Deshalb werde sie die vier von ihr zu nominierenden Mitglieder des achtköpfigen Forschungsrats erst dann benennen, wenn die Strategie vorliegt.

Um Wissenschaft und Forschung stärker in den Vordergrund und "in das Rampenlicht" zu stellen und weil "Forschung die Wurzel für die Technologie" sei, will sie ab dem kommenden Jahr in Alpbach neben den schon traditionellen Technologiegesprächen auch "Alpbacher Forschungsgespräche" veranstalten, "um der Forschung den notwendigen Stellenwert einzuräumen, den sie verdient".

"Wachstum plus Konsolidierung"

Hannes Androsch selbst hat kein Problem mit der Verzögerung bei der eigentlich für die die Technologiegespräche angekündigten Forschungsstrategie. "Wenn im Dezember etwas fundamental Besseres herauskommt, soll es uns auch recht sein", sagte Androsch.

Allerdings kann sich Androsch keine Forschungsstrategie ohne zusätzliches Geld für die Forschung vorstellen: "Das könnte man natürlich machen, aber das ist wie ein Bauer, der nichts mehr anbaut. Aber wer nicht sät, wird nicht ernten." Wenn man die Zukunft nicht verspielen wolle, sei es notwendig, einen "Wachstumspfad neben dem Konsolidierungspfad auszurollen". Ohne Wachstum werde die Konsolidierung nicht funktionieren, und für das Wachstum brauche man die Forschung.

Karl will mehr "MINT"

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl bei den Technologiegesprächen 2010 in Alpbach

ORF, Johannes Cizek

Wissenschaftministerin Beatrix Karl bei der Eröffnung der Technologiegespräche

Wissenschaftsministerin Karl präsentierte in Alpbach auch eine neue Initiative, wonach österreichische Studierende künftiger verstärkt Studienfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) wählen sollen. Derzeit belegen 60 Prozent aller Erstsemestrigen lediglich zehn Prozent aller insgesamt angebotenen Studienfächer - 2015 sollen es nach Vorstellung Karls bereits 30 Prozent aller Fächer sein.

Der Bedarf an Fachkräften im MINT-Bereich ist groß: So hätten laut aktuellen Umfragen 42 Prozent der Industriebetriebe Probleme, genügend Fachkräfte im Bereich Technik und Produktion zu finden. 54 Prozent klagten über Schwierigkeiten bei der Suche nach Hochqualifizierten im Bereich Forschung und Entwicklung, so Karl. Die MINT-Fächer böten aber nicht nur gute Jobaussichten, warb Karl - Im Gegensatz zu den Massenfächern gebe es dort auch noch gute Studienbedingungen.

Mit dem der MINT-Initiative will Karl primär Studienanfänger besser über die diversen Studienmöglichkeiten an Unis und Fachhochschulen informieren sowie Berührungsängste abbauen und über Jobchancen aufklären.

Vier Schwerpunkte im Infrastrukturministerium==

Infrastrukturministerin Doris Bures bei der Eröffnung der Technologiegespräche in Alpbach

ORF, Johannes Cizek

Infrastrukturministerin Doris Bures bei der Eröffnung der Technologiegespräche

Ein weiteres Thema zu Beginn der Technologiegespräche: Das Infrastrukturministerium konzentriert seine Forschungsförderung auf vier Schwerpunkte. Statt einer Vielzahl verschiedener Programme sollen künftig die Bereiche "Energie", "Mobilität und Verkehr", "Informations- und Kommunikationstechnologien" sowie "Sparsame, effiziente Produktionsabläufe" im Mittelpunkt der Forschungsförderung stehen. Mit dieser vereinfachten Förderstruktur soll "mit weniger Mitteln mehr Output erreicht werden", sagte Infrastrukturministerin Bures.

Bures kündigte weiters an, das System der Forschungsförderung stark zu vereinfachen und die Vergabeprozesse zu beschleunigen. Statt bisher 50 verschiedener Programmlinien soll es künftig acht bis zehn "standardisierte Instrumente" geben, statt einem Einreichtermin pro Jahr soll es künftig zwei bis drei geben.

science.ORF.at/APA

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