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Ein Schaltkreis des Fab Lab am MIT

"Fab Labs": Innovation zum Selbermachen

Eine kleine Fabrik, in der jeder, der möchte, neue Technik entwerfen kann. So etwa könnte man die Idee der sogenannten Fab Labs zusammenfassen. In ihnen stehen Laser, die Kunststoffe schneiden, und Fräsen, die Metall bearbeiten.

Technologiegespräche 27.08.2010

Der Physiker Neil Gershenfeld vom Zentrum für Bits und Atome am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat bei den Technologiegesprächen des Europäischen Forums Alpbach erklärt, wie diese kleinen Laboratorien funktionieren. Die Fab Labs sollen allen Menschen auf der Welt ermöglichen, innovativ tätig zu sein und neue Dinge zu entwickeln.

Hinter den Fab Labs steckt der Gedanke, dass Menschen die Dinge, die sie brauchen, selbst entwerfen und auch gleich selbst per 3D-Drucker herstellen können

Einfache Demonstrationsobjekte

Ö1 Hinweise:

Eine Reihe von Sendungen begleitet das Europäische Forum Alpbach 2010 in Ö1. Die Technologiegespräche stehen im Mittelpunkt von Beiträgen in den Journalen, in Wissen aktuell, in den Dimensionen (Freitag, 27.8. mit einem Beitrag zu den Fab Labs von Neil Gershenfeld, und Montag, 30.8, 19.06 Uhr) und bei der Kinderuni (Sonntag, 19.9. und 17.11).

Mitglieder des Ö1 Club erhalten beim Europäischen Forum Alpbach eine Ermäßigung von zehn Prozent.

Die Produkte, die in einem solchen Labor hergestellt werden, sind vielfältig: Kinderspielzeug, leistungsstarke Antennen, Geräte für die Landwirtschaft, Roboter und vieles mehr. Sie alle entstehen auf spielerischer Weise in den kleinen Fabriken. Die Idee dazu stammt von Neil Gershenfeld. Ihm zufolge kann nahezu jeder in so einer Anlage neue Dinge entwerfen. Manche Dinge in diesem Labor können in einem Tag entwickelt werden, andere brauchen ein Jahr oder ein Jahrzehnt.

"Man kann tolle Dinge damit machen, zum Beispiel einen Roboter. Es braucht Jahre, um wirklich zu verstehen, wie er funktioniert. Aber es gibt eine Reihe an einfachen Demonstrationsprojekten, die Menschen im Labor nachvollziehen können. Wir hatten diese einem Jungen in Norwegen gezeigt. Als wir ihn das nächste Mal sahen, hat er einen Roboter konstruiert gehabt - mit motorischen Kontrollen, Bildschirmen und eigenem Design. Wir haben dem Jungen nicht beigebracht, das zu machen. Er hat einfach mit den Demonstrationsprojekten begonnen und herausgefunden, wie man sie kombiniert", erklärte Neil Gershenfeld gegenüber Ö1.

Kleine Innovationsstandorte

Die Vision für solche Laboratorien ist laut Gershenfeld, fast alles herstellen zu können. Und wenn dies nicht geht, soll man damit zumindest eine Maschine erzeugen können, die fast alles herstellen kann. In einem dieser Produktions-Orte haben Menschen sogar ein Haus gestaltet.

Circa 50 solcher Labors gibt es derzeit weltweit. Das erste wurde vom MIT finanziert, mittlerweile gibt es auch andere Geldgeber. Die kleinen Forschungs- und Produktionsstätten sollen laut Gershenfield große und teure Forschungszentren ersetzen. Innovation und technischer Fortschritt würden dann dezentral erfolgen. In den USA hat ein Abgeordneter einen Gesetzesentwurf eingebracht, nach dem alleine in diesem Land 500 solcher kreativer Orte gegründet werden sollen.

Ein Fab Lab in Afghanistan

Technologiegespräche in Alpbach

Von 26. bis 28. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet "Entwurf und Wirklichkeit in Forschung und Technologie". Dazu diskutieren Minister, Nobelpreisträger und internationale Experten.

Beiträge zum Forum Alpbach 2010

Entstanden sind die Labors, weil das MIT mit seiner Forschung an die Öffentlichkeit treten wollte. "Wir haben so viel Geld für die Geräte unserer Forschung ausgegeben, dass unser Auftraggeber von uns verlangt hat, den Menschen die Folgen unserer Arbeit näherzubringen. Eine Webseite oder einen Vortrag haben wir jedoch nicht für sehr aufregend gehalten. Daher dachten wir uns, wie geben den Leuten einfach die Instrumente selbst in die Hand", erzählte Gershenfeld.

In der Innenstadt von Boston wurde deshalb ein solches Labor eingerichtet. "Das funktionierte nicht so wie unser Labor, aber gab den Menschen die Gelegenheit, einzuschätzen, was man mit der Technik machen konnte." Dann folgte ein Labor in Guinea, eines in einer Barackensiedlung in Südafrika, in Indien und selbst in Afghanistan. "Man kann nicht einfach von Boston aus sagen, dass Indien oder Afghanistan solche Fabriken brauchen, aber immer, wenn wir eine eröffnet hatten, wollte jemand anderer ebenfalls eine. Die Menschen wollten diese Anlagen nicht zur Information. Sie wollten die Welt um sich herum vermessen und verändern", erklärte der Physiker.

Eine neue Art Bibliothek

Die Menschen sollen in den Labors selbst entscheiden, welche Dinge sie dort herstellen und die Labors stehen für jeden offen. Einige der Laboratorien befinden sich in Schulen, einige in Gemeinschaftszentren. Manche machen Profit, andere nicht. "Aber sie alle werden zeitlich flexibel genutzt. Es gibt Zeiten für die Gemeinschaft, Zeiten für Klassen, Zeit für Geschäfte, für Kunst. Es funktioniert ähnlich, wie eine Bibliothek oder ein Sportplatz. Eine Sporteinrichtung wird von Teams benutzt, zur Erholung, für Wettkämpfe. Ähnlich ist die Zeitverteilung in diesen Laboratorien", so Gershenfeld.

Für den Forscher knüpfen die Laboratorien an alten Bildungsidealen an: "Zu Beginn des letzten Jahrhunderts hat Andrew Carnegie Bibliotheken gegründet. Bücher waren für Eliten, und er hatte die Vorstellung, dass die Gesellschaft liberaler wird, wenn jeder Zugang zu Büchern hätte. Heute hat jeder zivilisierte Haushalt Bücher zuhause. Aber auch die Form sich auszudrücken, hat sich verändert: Früher malte man ein Bild oder schrieb ein Sonett. Jetzt gibt es eine neue Form der Bildung mit Bits und Atomen. Man kann sich diese Laboratorien als eine neue Form von Bibliotheken für diese Art der Bildung vorstellen.

Mark Hammer, Ö1 Wissenschaft

Weitere Beiträge zu den Technologiegesprächen 2010: