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Fuß von Balaur bondoc

"Stämmiger Drache" aus der Oberkreidezeit

Paläontologen haben in Rumänien das Fossil eines "stämmigen Drachen" entdeckt. Es handelt sich demnach um den ersten, einigermaßen vollständigen Fossilienfund eines sechs Meter langen fleischfressenden Dinosaurier, der in der Oberkreidezeit - also etwa in der Zeit vor 125 Millionen bis vor 65 Millionen Jahren - in Europa lebte.

Paläontologie 31.08.2010

Damals war der Kontinent noch ein weitgehend überflutetes Inselreich. Rumänien, der Fundort des Balaur bondoc (deutsch: stämmiger Drache), war eine eigene Insel.

Verbindung zu Asien

Zur Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences":
"An aberrant island-dwelling theropod dinosaur from the Late Cretaceous of Romania" von Zoltan Csiki et al.

Dass der Balaur bondoc gegen Ende der globalen Dinosaurier-Dynastie auf einer Insel zu Hause war, lässt den Paläontologen zufolge wichtige Schlüsse zu. Demnach gab es damals zumindest vorübergehend schon eine Landverbindung zwischen Europa und dem (asiatischen) Festland. Denn der "stämmige Drache" gehört zur Gattung der Velociraptoren ("schnelle Räuber"), die einst in der Mongolei ihr Unwesen trieben.

Velociraptoren waren agile, zweifüßige Fleischfresser mit langem Kopf und Schwanz und einer sichelförmigen Klaue an der inneren Zehe, mit der sie ihre Beute attackierten und zerrissen. Diese Saurier, kurz "Raptoren" genannt, spielten in Steven Spielbergs Actionfilm "Jurassic Park" eine wichtige Rolle und sind seitdem populär.

Kraftvoller Räuber

Von seinen nächsten Verwandten in Asien unterschied sich der europäische Balaur bondoc durch 20 Körpermerkmale, allem voran einer zweiten sichelförmigen Klaue an den Zehen. Seine Füße und Beine sind kürzer als die anderer Velociraptoren, hatten aber offensichtlich enorme Muskelpakete und lassen erkennen, dass sich der "stämmige Drache" weniger durch Schnelligkeit als Kraft auszeichnete.

Die Eigenarten des Balaur führen die Paläontologen aus den USA und von der Universität Bukarest auf den "Insel-Effekt" zurück. Generell entwickeln sich Arten auf Inseln langsamer, bleiben im Allgemeinen kleiner und primitiver als ihre Verwandten auf dem Festland. Nicht so im Fall des "stämmigen Drachen": Er war zwar gedrungener als die meisten Festland-Raptoren, stand ihnen in der Größe aber nicht nach. "Wir haben lange gewartet und sind jetzt mit überraschenden Details belohnt worden", berichtete Co-Autor Mark Norell vom New Yorker Naturgeschichtemuseum.

science.ORF.at/dpa

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