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Ein Team von Business-Leuten steht vor einem Gebäuden

"Neue Methode, um soziale Probleme zu lösen"

Den gegenwärtigen Innovationsbegriff um eine soziale Komponente zu erweitern und solidarische Vorstellungen zu verwirklichen: Das war die Gründungsidee des Zentrums für Soziale Innovationen (ZSI) vor 20 Jahren. Am Donnerstag feiert das Zentrum, das auch im weltweiten Maßstab eine Vorreiterrolle spielte, runden Geburtstag.

Soziale Innovation II 02.09.2010

"Eine Erfolgsgeschichte, anders als vorgestellt, größer als gedacht" ist für Josef Hochgerner das von ihm gegründete ZSI, wie er bei den am Wochenende zu Ende gegangenen Alpbacher Technologiegesprächen erklärte.

Beispiel Bildungsbereich

"Eine neue Methode, um ein soziales Problem zu lösen, die akzeptiert wird und die verbreitet werden kann. Das sind die wesentlichen Elemente", umreißt Hochgerner das Konzept der sozialen Innovation. Die Idee zur Gründung des Instituts ist 1988 entstanden, als Hochgerner in der wirtschaftspolitischen Abteilung der Arbeiterkammer tätig war. "Als Soziologe war es mir zu blöd, immer nur die Industrie zu unterstützen. Ich wollte, dass die soziale Innovation den gleichen Stellenwert bekommt."

"Im Bildungsbereich zum Beispiel ist die soziale Selektion ein altes Problem. Die alte Methode wäre, individuelle Unterstützung wie Nachhilfestunden zu geben etc.", so Hochgerner. Neu wäre ein anderes Konzept, das Selektion ganz anders betrachtet, "dass es nicht nur immer um die Reparatur von Defiziten geht". Es gelte Potenziale zu fördern und diesen Ansatz strukturell umzusetzen, indem etwa Lehrer ganz anders ausgebildet werden.

Vorreiter mit zögerlichen Nachfolgern

In gewisser Weise sieht sich Hochgerner als Vorreiter auf seinem Gebiet. "Bis zum Jahr 2000 hat es kein einziges Institut mit diesem Ansatz gegeben." Dann wurde an der Universität Stanford ein Center for Social Innovation ins Leben gerufen, ähnliche Gründungen in Holland, Kanada usw. folgten, heute gibt es etwa zehn derartige Einrichtungen auf der ganzen Welt.

Den größte Schub für das Thema habe es aber im Vorjahr gegeben, als US-Präsident Barack Obama als eine seiner ersten Amtshandlungen ein Office of Social Innovation and Civic Participation installiert hat. Fast genau zum gleichen Zeitpunkt habe auch die EU die soziale Innovation für sich entdeckt.

44 Projekte, vier Millionen Euro Umsatz

Das ZSI ist überwiegend projektfinanziert, die Basisfinanzierung durch das Wissenschaftsministerium von 71.000 Euro mache gerade 1,5 Prozent der Projekteinnahmen aus. Die mehr als 60 Mitarbeiter des größten privaten sozialwissenschaftlichen Instituts Österreichs befassen sich mit Beratung, Bildung, Netzwerkkoordination, Forschung und Forschungsförderung.

Derzeit erwirtschaftet das ZSI mit 44 Projekten in den Arbeitsgebieten "Arbeit & Chancengleichheit", "Technik & Wissen" und "Forschungspolitik & Entwicklung" einen Jahresumsatz von rund vier Millionen Euro. Darunter befinden sich auch 24 EU-Projekte. "Wir sind unter den Top 20 bei den österreichischen Einreichungen im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm", sagt Hochgerner. Andere internationale Auftraggeber sind die OECD, UN-Organisationen (UNESCO, UNIDO, ILO) oder die Weltbank.

Wünschen würde sich Hochgerner neben einer Erhöhung der Basisfinanzierung vor allem eine "Korrektur des Grundverständnisses von wirtschaftlichen Aktivitäten". Sämtliche Bemühungen sollten auf eine Beseitigung des Mangels ausgerichtet sein. Eine Gesellschaft sollte zuallererst darauf schauen, die wachsende Ungleichheit auszugleichen und ein systematisches "Management von Überfluss" zu betreiben.

science.ORF.at/APA

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