Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mädchen: Benachteiligt durch Bevorzugung"

Mathematische Formeln auf einer Tafel.

Mädchen: Benachteiligt durch Bevorzugung

Mädchen werden in Mathematik bei gleicher Leistung besser bewertet als Buben. Trotzdem haben sie in dem Schulfach schlechtere Noten. Das liegt laut einer deutschen Sozialforscherin nicht daran, dass sie weniger begabt sind, sondern dass sie den Notenschwindel durchschauen.

Schule 03.09.2010

Dadurch verlieren sie auf Dauer den Glauben an Ihre Fähigkeiten, schreibt die Ökonomin Lydia Mechtenberg vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in einem Artikel.

Der Artikel "Warum Mädchen besser schreiben und Jungen besser rechnen können - Lob und Tadel wirken je nach Geschlecht unterschiedlich" ist auf der Homepage des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) erschienen.

Mehrere empirische Studien haben zuvor belegt, dass Lehrer und Lehrerinnen alles andere als geschlechtsneutral beurteilen: Sie bewerten nicht nur Leistung und Talent, sondern auch Einstellung und soziale Kompetenz ihrer Schüler und Schülerinnen.

Kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Gut gemeint ist also auch in der Schule oft das Gegenteil von gut: Der ursprüngliche Vorteil der besseren Benotung hat nämlich bald einen negativen Effekt. Mädchen entwickeln laut Mechtenberg sehr schnell ein Gespür dafür, dass ihre Noten weniger Aussagekraft haben als die der gleichaltrigen Buben.

Sie sehen bessere Noten dann eher als Sympathiebekundung des Lehrers - auch dann, wenn der Einser bei der letzten Schularbeit das Ergebnis von echtem Können war. Die Verliererinnen in diesem System seien die Mädchen, die tatsächlich für Mathematik begabt sind.

Sie verlieren das Vertrauen in ihre Fähigkeiten und stecken weniger Energie in das Fach, das vielleicht ihre Berufung hätte sein können. Deshalb erringen sie auch nicht die Spitzenleistungen, die Buben mit vergleichbarer Begabung erbringen.

science.ORF.at

Mehr zu dem Thema: