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Bonobo im Blätterwerk

Große Gehirne sind Muttersache

Dass Primaten im Vergleich zu ihrer Körpergröße überproportional große Gehirne besitzen, bedarf einer gesonderten Erklärung. Zwei britische Forscher berichten nun: Mütter sind für diese Laune der Evolution verantwortlich.

Evolution 07.09.2010

Ein großes Gehirn ist eigentlich eine kostspielige Angelegenheit: Es verbraucht nämlich bis zu 20 Prozent der mit der Nahrung aufgenommenen Energie. Deswegen gehen Biologen davon aus, dass sich voluminöse Hirne nur in jenen Tiergruppen entwickeln konnten, die auch über einen schnellen Stoffwechsel verfügen. Wie nun Vera Weisbecker von der University of Cambridge und Anjali Goswami vom University College London in einer aktuellen Studie schreiben, dürfte das aber nur die halbe Wahrheit sein.

Plazentaler Schlüsselfaktor

Studie:

Brain size, life history, and metabolism at the marsupial/placental dichotomy, "PNAS" (doi: 10.1073/pnas.0906486107).

Die beiden Biologen verglichen 197 Beuteltiere mit 457 Plazentatieren (beide zu den Säugetieren zählend) und stellten fest, dass nur bei letzteren ein positiver Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Hirnvolumen besteht. Was wiederum darauf hinweist, dass die Plazenta eine Schlüsselrolle spielen könnte, denn: "Die Babies von Plazentatieren sind für eine lange Zeit direkt mit ihren Müttern verbunden", erklärte Weisbecker kürzlich gegenüber dem "New Scientist". "Wenn die Mutter einen schnellen Stoffumsatz hat, profitiert automatisch auch das Kind davon." Im Gegensatz dazu ist die körperliche Verbindung zwischen Beuteltierkindern und ihren Müttern nicht so intensiv, sie werden relativ früher geboren und leben danach lange Zeit von der Muttermilch.

Allerdings zeigte die Analyse auch, dass der Unterscheid zwischen Beutel- und Plazentatieren wegfiel, sofern die Primaten aus der statistischen Analyse ausgeschlossen wurden. Die Primaten dürften ihre kognitive Ausnahmestellung daher zwei Besonderheiten verdanken: guter Nährstoffversorgung im Mutterbauch - sowie langer Pflege nach der Geburt.

science.ORF.at

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