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Eine Rabe des Rabenforschers Bugnyar im Versuch

Auch Raben wissen, was der andere weiß

Bei Kindern ist es ein enormer Entwicklungsschritt, bis sie einschätzen können, was andere Menschen denken. Auch Raben sind dazu in der Lage, wie Experimente eines Wiener Verhaltensforschers zeigen.

Verhaltensforschung 08.09.2010

Thomas Bugnyar, Professor für Kognitive Ethologie an der Universität Wien, hat in einer Studie die Fähigkeit von Raben untersucht, die Sichtweise anderer zu beurteilen und so deren Handlungsmuster vorherzusagen. Sie haben sich dabei als ähnlich begabt erwiesen wie einige Primaten.

Die Studie:
"Knower-guesser differentiation in ravens: others' viewpoints matter" von Thomas Bugnyar in den "Proceedings of the Royal Society B" (sobald online).

Behalten Konkurrenten im Auge

Ausgangspunkt für die Studie war die Vorliebe von Raben, Futterverstecke zu plündern. Im Experiment hat Bugnyar beobachtet, dass die Vögel nicht nur auf Menschen achten, die Futter verstecken. Sie behalten auch potenzielle Konkurrenten im Auge: Artgenossen, die die Verstecke ebenfalls sehen können.

Die Raben erinnerten sich nicht nur daran, wen sie beim Verstecken beobachtet hatten, sondern plünderten gezielt jene Verstecke, über die auch ihre Konkurrenten Bescheid wissen konnten.

Wie die Schimpansen

In den Versuchen wurde die Sicht der beteiligten Individuen durch speziell präparierte Vorhänge manipuliert, die das Sehen behinderten, aber das Gesehenwerden erlaubten. Die Ergebnisse zeigen laut Bugnyar eindeutig, dass die Raben dabei nicht nur nach gelernten Regeln vorgehen, sondern tatsächlich einschätzen können, inwieweit die Sichtweise der Konkurrenten sich mit ihrer eigenen deckt.

Der Kognitionsbiologe meint dazu in einer Aussendung: "Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass es tierische Vorläufer zur menschlichen Fähigkeit, anderen Individuen Wissen zuzuschreiben, gibt. Die Tatsache, dass Raben hierbei ähnlich gut wie Schimpansen sind, deutet darauf hin, dass diese Fähigkeit in der Evolution mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist."

science.ORF.at

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