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Concavenator corcovatus

Ein Dino mit Buckel

Spanische Paläontologen haben einen fleischfressenden Dinosaurier mit einem auffälligen Buckel auf dem Rücken ausgegraben. Das Tier dürfte überdies Merkmale besessen haben, wie sie für die heute lebenden Vögel typisch sind.

Paläontologie 09.09.2010

Auf der Suche nach Funktion

Studie:

A bizarre, humped Carcharodontosauria from the Lower Cretaceous of Spain, "Nature" (Bd. 467, S. 203; doi: 10.1038/nature09181).

Concavenator corcovatus heißt der Neuankömmling in der Artenliste ausgestorbener Saurier - und er ist zweifelsohne ein ungewöhnlicher Neuzugang. Denn einen Buckel, wie den soeben gefundenen, habe man noch bei keiner Saurierspezies entdeckt, sagt Francisco Ortega, Leiter des Forscherteams von der Nationalen Fernuniversität Madrid. Wozu dieser gedient habe, sei nicht bekannt.

Fossile Skelett von Concavenator corcovatus.

Nature

Das annähernd komplett erhaltene Skelett von Concavenator corcovatus.

Sofern er denn überhaupt für etwas gut war: Nicht selten sind nämlich äußerliche Merkmale von Tieren oder Pflanzen bar jeder Funktion, auch wenn der menschliche Betrachter dazu neigt, in darwinistischem Übereifer allem und jedem einen solche zuzuschreiben. Darauf hat schon der US-Biologe Stephen J. Gould hingewiesen.

Ein solches funktionsloses Merkmal sei beispielsweise das menschliches Kinn, schrieb Gould, welches sein markantes Äußeres nur dem Umstand verdanke, dass sich das Größenverhältnis zwischen Kiefer und Zahnlade im Lauf der menschlichen Evolution verändert habe. Überlebensdienlichen "Sinn" habe der bisweilen hervorspringende Knochen in unserem Gesicht indes keinen.

Die spanischen Forscher entdeckten auf dem sechs Meter langen und ca. 130 Millionen Jahre alten Skelett aus Las Hoyas auch ein weiteres interessantes Merkmal - zwar nicht so spektakulär wie die Verlängerung an den Rückenwirbeln, aber in evolutionärer Hinsicht umso aufschlussreicher.

Saurier mit Vogelmerkmalen

Concavenator corcovatus trug nämlich auf seiner Elle kleine Beulen. Eine anatomische Besonderheit, die man ansonsten vor allem von Vögeln kennt, bei diesen sind sie mit der knochigen Aufhängung der Federkiele verbunden.

Kopf von Concavenator corcovatus

Nature

Künstlerische Rekonstruktion von Concavenator corcovatus.

Ortega und seine Mitarbeiter glauben jedenfalls, dass die kleinen Beulen bei Vögeln und Concavenator corcovatus den gleichen Ursprung haben, "homolog" sind, wie das im Biologendeutsch heißt.

"Diese Entdeckung deutet auf eine Verwandtschaft zwischen den primitiven, fleischfressenden Dinosauriern und den Vögeln hin", sagte Ortega gegenüber der deutschen Presseagentur. "Sie bestärkt die Annahme, dass viele Körpermerkmale der Vögel schon bei den Dinosauriern vorgekommen waren."

Gefiederte Echse

Feather Quill Knobs in the Dinosaur Velociraptor, "Science" (Bd. 317, S. 1721; doi: 10.1126/science.1145076).

Concavenator, der zur Gruppe der Carcharodontosaurier gehört, wäre übrigens nicht die erste Saurierspezies, bei der man "Flügelnoppen" entdeckt hat. Vor drei Jahren berichteten US-Paläontologen, dass auch der Velociraptor, berühmt durch seine Auftritte in Steven Spielbergs "Jurrasic Park", ebensolche Beulen besessen habe.

Der Schluss der Forscher damals: Der Velociraptor war ein zumindest rudimentär gefiedertes Wesen (wenngleich er selbstredend nicht fliegen konnte). Ob das auch für Concavenator gilt, sagen die spanischen Forscher nicht. Sie schließen es aber auch nicht aus.

Robert Czepel, science.ORF.at

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