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Die Kamera "Daguerreotype Susse Frères" auf dem Wiener Michaelerlatz

Neue Fotos mit der ältesten Kamera der Welt

Die "Daguerreotype Susse Frères" aus dem Jahr 1839 ist vermutlich die älteste kommerziell hergestellte Kamera der Welt. Chemiker haben sie nun reaktiviert und für ein Kunstprojekt eine Aufnahme auf dem Wiener Michaelerplatz nachgestellt - das Ergebnis sieht aus wie anno dazumal.

Chemie 08.09.2010

Vorbereitet und durchgeführt wurde die Reproduktion von Wissenschaftlern des Instituts für Organische Chemie der Universität Wien, die die Aufnahme im Originalverfahren mittels Quecksilberdampf und Goldlösung auf Silberplatte gebannt haben.

Mehrere silberbeschichtete Kupferplatten, Quecksilber, Brom und Goldchlorid sind für die Herstellung einer Daguerreotypie notwendig. Bei diesem fotografischen Verfahren aus dem 19. Jahrhundert, entwickelt vom französischen Maler Louis Daguerre, wird das Bild bei der Aufnahme nicht mit einem Spiegel umgelenkt. Die Abbildung ist seitenverkehrt und eigentlich ein Negativ; je nach Betrachtungswinkel sieht man sie aber auch als Positiv.

Daguerreotypie des Michaelerplatzes am 25.8.2010

Universität Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht

Daguerreotypie des Michaelerplatzes am 25.8.

Silber, Brom, Iod und Quecksilber

Forscher des Instituts für Organische Chemie der Universität Wien weckten gemeinsam mit der Wiener Galerie WestLicht die älteste Kamera der Welt aus dem Dornröschenschlaf. Sie haben vor kurzem eine Daguerrotypie aus der Fotosammlung der Albertina originalgetreu nachgestellt (siehe Bild links) - der "Blick auf den Michaelerplatz" von Andreas von Ettingshausen, aufgenommen im Mai 1840 (hier eine pdf-Datei des Originals).

Die Aufnahme wurde dann entsprechend des von Louis-Jacques-Mandé Daguerre erfundenen Verfahrens ausgearbeitet. Die Entwicklung der silberbeschichteten, mit Brom oder Iod aktivierten und in der Kamera belichteten Kupferplatten erfolgt mittels Quecksilberdampf.

"Kein ungefährliches Unterfangen, aber wir verfügen über das entsprechende Knowhow und ein gut ausgestattetes Labor", erklärt der Chemiker Harry Martin in einer Aussendung der Universität Wien.

Die beteiligten Chemiker haben sich mit der historischen Technik auch selbst aufgenommen.

Universität Wien - Institut für Organische Chemie/WestLicht

Die beteiligten Chemiker haben sich mit der historischen Technik auch selbst aufgenommen.

Wiederbelebung nach über 150 Jahren

Nach der Quecksilberentwicklung und dem anschließenden Fixierbad erhalten die Bilder durch ein Bad in 90 Grad heißer Goldchloridlösung noch mehr Schärfe. "Wir sind stolz, dass es uns geglückt ist, diese Fotografie-Methode wiederzubeleben. Vermutlich sind wir die ersten seit über 150 Jahren, die mit einer Original Daguerréotype Kamera und dem Daguerre-Verfahren gearbeitet haben", so Martin.

Entstanden sind die Fotos im Rahmen des Kunstprojekts "Wake up the sleeping beauty". Der kubanische Fotograf Nelson Ramirez reproduziert im Auftrag der Firma WestLicht 30 Daguerreotypien aus dem 19. Jahrhundert in Wien, Salzburg und am Attersee. Die Kamera wurde 2007 von WestLicht zum Rekordpreis von 576.000 Euro versteigert und für das Projekt von den neuen Besitzern zur Verfügung gestellt.

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