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Alter Mann sitzt am Straßenrand

Studie zeigt: Einsamkeit beginnt im Kopf

Ob sich jemand einsam fühlt, hängt nicht in erster Linie davon ab, wie viele soziale Kontakte diese Person tatsächlich hat. Eine Langzeitstudie hat gezeigt, dass das Gefühl von Einsamkeit vor allem dadurch entsteht, wie man sich selbst und sein Umfeld wahrnimmt. Diese Erkenntnis könnte helfen, krankhafte Einsamkeit künftig besser zu bekämpfen.

Psychologie 13.09.2010

Einsamkeit als Gesundheitsrisiko

Einsamkeit ist auf Dauer schädlich für die Gesundheit. Blutdruck, Schlafqualität, Herzinfarktrisiko und andere Gesundheitsfaktoren können durch Einsamkeit negativ beeinflusst werden. Das wurde bereits in anderen Studien bewiesen.

Eine Studie des Teams um John Cacioppo und Christopher Masi von der Universität Chicago hat nun ergeben, dass Einsamkeit nicht in erster Linie von der Anzahl der sozialen Kontakte, sondern von der persönlichen Wahrnehmung abhängt.

Hoher wissenschaftlicher Anspruch

Cacioppo und Masi haben beide schon mehrere Studien zum Thema Einsamkeit veröffentlicht, sie sind also mit der Materie bestens vertraut. Sie haben mit ihrem Team diesmal eine Meta-Studie, also eine Studie, in der andere Studien untersucht werden, vorgenommen. Dazu haben sie die Daten von fast vier Jahrzehnten Forschung, von 1970 bis 2009, zu dem Thema aufgearbeitet, um die wirksamsten Methoden im Kampf gegen Einsamkeit aufzuspüren.

Aus den zahlreichen Untersuchungen über Einsamkeit suchten die Forscher die 20 Studien aus, die die höchsten wissenschaftlichen Ansprüche erfüllen. Das sind jene, die mit einem randomisierten, kontrollierten Studiendesign arbeiten.

Aus der Untersuchung dieser 20 Studien haben sich vier dominante Strategien im Kampf gegen Einsamkeit herauskristallisiert: soziale Fähigkeiten verbessern, soziale Unterstützung erhöhen, mehr Gelegenheiten für soziale Interaktionen schaffen und die soziale Kognition verändern. Im nächsten Schritt sind die Ergebnisse dieser Studien zueinander in Verhältnis gesetzt worden. Das Ergebnis ist eindeutig.

Einsamkeit ist eine Frage der Wahrnehmung

Im direkten Vergleich stellte sich die Veränderung der sozialen Kognition als beste Strategie gegen Einsamkeit heraus. Einsamkeit lässt sich der Studie zufolge also zuerst auf die Art und Weise, wie eine Person sich und ihr Umfeld wahrnimmt, zurückführen. Werden die "Fehler" in der Wahrnehmung korrigiert, vermindert sich das Gefühl der Einsamkeit.

Solche "Wahrnehmungsfehler" können behoben werden, indem ungesunde Denk- und Verhaltensmuster aufgebrochen werden. Das könne zum Beispiel mithilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie bewältigt werden.

Peter Stenitzer, science.ORF.at

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