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Gehirnstruktur zur Selbstreflexion

Eine Gehirnregion zur Selbstreflexion

Ein direkt hinter den Augen gelegenes Hirnareal steuert einer Studie zufolge die typisch menschliche Fähigkeit der Selbstreflexion. Enthält der sogenannte anteriore präfrontale Kortex viel graue Substanz, so kann ein Mensch besonders gut über sein Innenleben nachdenken.

Neurowissenschaft 17.09.2010

Unklar ist allerdings, ob diese anatomische Struktur von Geburt an gegeben ist oder ob sie sich durch Übung entwickelt.

Viel graue Substanz

Zur Studie in "Science":
"Relating Introspective Accuracy to Individual Differences in Brain Structure" von Stephen M. Fleming et al.

Die Fähigkeit, über die eigenen Gedanken nachzudenken, gilt als typische Errungenschaft des Menschen. Dennoch ist diese Selbstreflexion bei Personen unterschiedlich stark ausgeprägt. "Es gibt verschiedene Grade des Bewusstseins - vom einfachen Erleben einer Erfahrung bis zum Nachdenken über die Erfahrung", sagt Erstautor Stephen Fleming vom University College London. "Die Introspektion liegt am oberen Ende dieses Spektrums."

Um die dafür verantwortliche Hirnregion zu finden, stellten die Forscher 32 Erwachsene vor eine schwierige Aufgabe. Auf zwei Bildschirmen sahen die Probanden verschiedene Muster. Sie sollten auf einem Monitor jenen Fleck identifizieren, der ein bisschen heller war. Dann sollten alle Teilnehmer auf einer Skala angeben, wie sicher sie sich ihres Urteils waren.

Die Forscher gehen davon aus, dass selbstreflektierende Personen von ihrer Meinung besonders überzeugt waren. Anschließende Hirnuntersuchungen per Magnetresonanztomographie (MRT) zeigten bei diesen Menschen auffällige Strukturen: Bei ihnen enthielt der hinter der Stirn gelegene präfrontale Cortex viel graue Substanz. Diese besteht hauptsächlich aus Zellkörpern.

science.ORF.at/APA/dapd

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