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Der Marsmond Phobos

War Phobos einst Teil des Mars?

Schon lange wird über die Herkunft der beiden Marsmonde Deimos und Phobos gerätselt. Sie könnten Asteroiden sein, die von der Anziehungskraft des Mars "gefangen" worden sind. Zumindest der größere Mond Phobos dürfte jedoch ursprünglich Teil des Roten Planeten gewesen sein.

Astronomie 21.09.2010

Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der europäischen Raumfahrtagentur ESA, die am vergangenen Montag beim European Planetary Science Kongress präsentiert worden ist.

Die Studie zur Untersuchung wird in der Spezialausgabe des Journals "Planetary and Space Science" zum Thema "komparative Planetologie" erscheinen.

Kohlenstoffreiche Meteoriten

Bisher ist Phobos stets bei sichtbaren und infrarotnahen Wellenlängen betrachtet worden. Aus diesen Betrachtungen wurde vermutet, dass auf Phobos hohe Ansammlungen von kohligen Chondriten zu finden seien.

Diese kohlenstoffreichen Gesteine wurden schon öfter in Meteoriten nachgewiesen und scheinen vor allem im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter zu existieren.

Die ESA hat mit ihrer Sonde "Mars Express" nun Daten gesammelt, die die Vermutung, Phobos stamme aus dem Asteroidengürtel, weniger wahrscheinlich aussehen lässt.

Marsgestein auf Phobos

Die Messungen der Sonde haben ergeben, dass auf Phobos kaum Chondriten vorkommen, wie sie in auf der Erde untersuchten Meteoriten zu finden sind. Dadurch werden jene Modelle untermauert, denen zufolge Phobos durch Re-Akkretion entstanden sei. Re-Akkretion bedeutet einfach: Material von der Oberfläche des Mars wurde in seinen Orbit geschleudert und hat sich dort wieder zusammengeklumpt.

Zudem wurden auf dem Mond erstmals größere Mengen Schichtsilikate entdeckt, die zuvor schon auf dem Mars nachgewiesen werden konnten. Diese Silikate entstehen normalerweise nur durch den Einfluss von Wasser.

Das würde entweder bedeuten, dass diese Schichtstrukturen durch Wasser geformt wurden, bevor sie Teil von Phobos wurden, oder dass Phobos genug innere Hitze hervorbringen konnte, um Wasser im flüssigen Zustand zu erhalten, so Marco Giuranna vom italienischen Nationalinstitut für Astrophysik bei der Präsentation der Messergebnisse in Rom.

Kein Felsen, sondern ein Schwamm

Es gibt noch weitere Anzeichen dafür, dass Phobos nicht aus dem Asteroidengürtel stammt.

Die Messungen von Mars Express haben mehrere Unterschiede zwischen der Struktur von Phobos und jener von Asteroiden ergeben. Die Dichte von Phobos sei beispielsweise wesentlich geringer, erklärte Paul Rosenblatt vom königlichen Observatorium in Belgien ebenfalls in Rom.

Phobos müsse eine Struktur wie ein Schwamm haben, dessen Inneres zu bis zu 45 Prozent aus Hohlräumen bestehe, so Rosenblatt. Das sei ein weiteres Anzeichen dafür, das Phobos nicht aus dem Asteroidengürtel stammen könne.

Die möglichen Ursprünge des Mondes

Poröse Asteroiden würden wahrscheinlich gänzlich zerstört werden, wenn sie plötzlich der Anziehungskraft des Mars ausgeliefert wären. Die Schwammstruktur könnte durch Re-Akkretion entstanden sein.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Phobos aus den Überresten eines alten Mondes, der durch die Anziehungskraft des Mars zerstört worden war, entstand. Dieser alte Mond könnte jedoch auch selbst aus Material von der Marsoberfläche bestanden haben.

Die Messergebnisse der ESA sollen nächstes Jahr eingehend überprüft werden. 2011 soll nämlich die russische Robotermission Phobos-Grunt zu dem Marsmond aufbrechen, um Proben des Trabanten zu entnehmen.

Peter Stenitzer, science.ORF.at

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