Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der Glaube an die Wissenschaft "

Eine Forscherin und ein Forscher im Labor

Der Glaube an die Wissenschaft

Vertrauen in Forscher, Angst vor Kernenergie und Nanotechnologie, Embryonenforschung und Wissenschaftler in der Politik: Die Magazine "Scientific American" und "Nature" haben 21.000 ihrer Leserinnen und Leser in mehreren Regionen der Welt befragt, wie sie über wissenschaftliche Themen denken.

Umfrage 23.09.2010

Glaubwürdige Wissenschaftler

Laut "Scientific American" haben Wissenschaftler ein hartes Jahr hinter sich: Fehler in den Berichten des Weltklimarates, Diskussionen um Emails von Klimaforschern und der Verdacht, dass Wissenschaftler, die bei der Pandemie Ende 2009 und Anfang 2010 vor dem H1N1-Virus warnten, von der Pharmaindustrie bezahlt worden sein könnten, hätten manche Forscher wenig glaubwürdig erscheinen lassen.

Dennoch schnitten die Wissenschaftler bei der Umfrage gut ab: Auf die Frage, wem die Menschen am ehesten zutrauen, zu gesellschaftlich relevanten Themen gute Information zu liefern, lagen die Wissenschaftler an erster Stelle – gefolgt von Familie und Freunden und NGOs. Firmen, gewählten Politiker und Vertretern von Religionen hingegen vertrauten die Befragten am wenigsten. Unterschiede im Detail zeigten sich bei Themen und Ländern: In Europa glauben nur 31 Prozent Aussagen von Wissenschaftlern zu Grippepandemien, in den USA sind dies 69 Prozent.

Angst vor Risiken

Die groß angelegte Umfrage bietet vor allem internationale Vergleiche. So zum Beispiel zwischen Europa und USA zum Thema Risikotechnologien: 66 Prozent der Europäer, die an der Umfrage teilgenommen haben, fühlen sich nicht sicher vor den Gefahren der Kernenergie. In den Vereinigten Staaten sind dies nur 18 Prozent.

Ähnlich gespalten geben sich Europäer und US-Amerikaner in ihrer Meinung zu genetisch veränderten Pflanzen: 27 Prozent der Europäer aber nur 13 Prozent der US-Amerikaner machen sich Sorgen wegen der Risiken, die damit einhergehen könnten. Weniger uneinig ist man sich bei der Nanotechnologie: Vor ihr fühlen sich 23 Prozent der Europäer und 28 Prozent der US-Amerikaner unsicher.

Asiaten zweifeln an Evolution

Zu den Publikationen:

Die Ergebnisse der Umfrage sind in zwei Artikeln der aktuellen Ausgaben von "Nature" und "Scientific American" erschienen. "Nature" konzentriert sich auf den Vergleich von Asien mit dem Rest der Welt, "Scientific American" auf jenen zwischen Europa und den USA.

"A global survey of the scientific literate public reveals a pacific divide on key issues in science" ("Nature")

"In Science We Trust" ("Scientific American")

Deutliche Unterschiede in den Umfrageergebnissen ergaben sich auch zwischen Asien und allen anderen Regionen. So zweifeln zum Beispiel 35 Prozent der Japaner und 49 Prozent der Chinesen daran, dass die Evolutionstheorie das Entstehen der Artenvielfalt auf der Erde erklärt. In anderen Erdteilen stehen der Evolutionstheorie nur jeweils circa zehn Prozent der Befragten skeptisch gegenüber – von Ausnahmen wie zum Beispiel Brasilien abgesehen, wo 24 Prozent an der Evolutionstheorie zweifeln.

Japaner und Chinesen sind auch argwöhnischer als andere Menschen gegenüber den Erklärungsmodellen zur Entstehung des Universums. Gefragt wurde auch, ob sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Politik heraushalten sollten. Fast ein Drittel der Chinesinnen und Chinesen befürworten dies. In anderen Regionen der Erde haben die Menschen damit weniger Probleme: Nur um die zehn Prozent aller Befragten finden, dass Forscher in der Politik nichts zu suchen haben. In Deutschland zum Beispiel sind weniger als fünf Prozent dieser Meinung. Hier sind sich übrigens auch Japaner und Chinesen nicht einig: Lediglich fünf Prozent der Japaner geben an, dass Wissenschaftler sich nicht in der Politik engagieren sollten.

Immer weniger Klimaskeptiker

Klimaskeptiker seien im Rückgang, schreibt "Scientific American". In nahezu allen Ländern stimmte eine deutliche Mehrheit der Befragten der Aussage zu, dass der Mensch signifikant zum Klimawandel beiträgt.

Den Rückgang der Skeptiker erklärt die Zeitschrift vor allem mit den Antworten auf die Frage, wie sich die eigene Meinung im letzten Jahr geändert habe: Der Anteil jener, die nun eher vom Einfluss des Menschen überzeugt sind, übertrifft in den meisten Ländern den Anteil derer, die nun stärker daran zweifeln.

Geld für Forschung

Für Wissenschaftsbudgets haben die Befragten einiges über: Mehr als 70 Prozent geben an, dass in Zeiten ökonomischer Krisen nicht bei der Forschung gespart werden solle. Stattdessen solle man lieber Militärausgaben kürzen. Auch befürworteten die meisten Umfrageteilnehmer, dass Grundlagenforschung einen wesentlichen Beitrag zu zukünftigem Wirtschaftswachstum und neuen Arbeitsplätzen leistet.

Laut den beiden Publikationen haben vor allem wissenschaftlich interessierte und belesene Menschen an der Online-Umfrage auf den Webseiten der Magazine teilgenommen. Immerhin gaben 19 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen an, einen Ph.D.-Titel zu besitzen.

... und Österreich

Daten von möglichen österreichischen Teilnehmern an der Umfrage wurden nicht gesondert ausgewiesen. Hierzulande werden die Menschen aber regelmäßig im Rahmen der Eurobarometerumfragen zur Wissenschaft befragt. In der diesjährigen Umfrage erreichten die Österreicher hierbei einen zweifelhaften Spitzenplatz unter den 27 EU-Ländern: 57 Prozent gaben an, dass es für sie im täglichen Leben unwichtig sei, etwas über Wissenschaft zu wissen.

Mark Hammer, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: