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Erwachsene an Spielkonsolen.

Videospiele könnten Sehschwäche korrigieren

Von einem überraschenden Konnex zwischen Videospielen und Fehlsichtigkeit berichten US-Forscher. Die Spiele könnten für Therapien von Sehfehlern geeignet sein, vor Selbsttherapien wird allerdings dringend abgeraten.

Medizin 24.09.2010

Klappe über dem "guten" Auge

Die Studie

"Video game play induces plasticity in the visual system of adults with amblyopia" erscheint im Fachblatt "PLoS Biology".

Zwei bis drei Prozent aller Kinder leiden an Fehlsichtigkeit, die meist nur ein Auge betrifft. Damit zählt die sogenannte Amblyopie zu den häufigsten Fehlsichtigkeiten im frühen Lebensalter. Zur Therapie tragen die kleinen Patienten gewöhnlich eine Klappe über dem "guten" Auge. Erwachsenen hilft dieses Vorgehen jedoch nicht mehr. "Wenn die Störung nicht im Kindesalter korrigiert wird, galt der Schaden als irreversibel", sagt der Optometriker Dennis Levi von der Universität von Kalifornien in Berkeley.

Umso überraschter waren Levi und seine Mitarbeiter von den Resultaten ihrer Studie. Sie untersuchten den Nutzen spezieller Videospiele an 20 erwachsenen Amblyopie-Patienten im Alter von 20 bis 60 Jahren. Die Teilnehmer spielten an 20 Tagen für jeweils zwei Stunden, wobei das "gute" Auge bedeckt war. Nach einem Monat stieg die Sehschärfe um 30 Prozent, und auch das räumliche Sehen besserte sich, unabhängig vom jeweiligen Typ der Schwachsichtigkeit.

"Das Resultat hat mich sehr überrascht", sagt Erstautor Roger Li. "Mit dieser Verbesserung hatte ich nicht gerechnet." Die Forscher betonen, weitere Untersuchungen müssten den Nutzen von Videospielen bestätigen. Patienten sollten ihre Amblyopie keinesfalls selbst therapieren, mahnt Li: "Die Leute sollten sich unbedingt an ihre Augenärzte halten."

science.ORF.at/dapd

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