Standort: science.ORF.at / Meldung: "Weltpremiere: Influenza-Impfstoff aus Zellkultur"

Ein Mädchen wird geimpft

Weltpremiere: Influenza-Impfstoff aus Zellkultur

Wie jedes Jahr raten Experten vor Beginn der Grippesaison zur Impfung. Heuer warten sie aber mit einer Weltpremiere auf: In Wien wurde der erste saisonale Influenza-Impfstoff vorgestellt, der aus Zellkulturen hergestellt und zugelassen wurde.

Medizin 29.09.2010

"Österreich ist das erste Land der Welt, in dem dieser Impfstoff zugelassen wurde. Er enthält alle drei für dieses Jahr empfohlenen Virusstämme und etabliert einen neuen Standard, was die Reinheit betrifft. Er enthält kein Hühnereiweiß, keine Antibiotika und kein Konservierungsmittel", sagte Hartmut Ehrlich, Vorstand der Baxter AG.

Keine Hühnereier mehr notwendig

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine Technologie entwickelt, bei der Viren in geschlossenen Zellkultur-Behältern durch Infektion sogenannter Verozellen gezüchtet, dann abgetötet und als Ganzvirus-Antigene für Impfstoffe verwendet werden können. Vergangenes Jahr produzierte das Unternehmen damit seinen A(H1N1)-Pandemieimpfstoff, der in Österreich verwendet wurde.

Der Wiener Reisemediziner Herwig Kollaritsch: "Für das herkömmliche Herstellungsverfahren braucht man Hühnereier. Für 300 Mio. Dosen Impfstoff sind das 300 Mio. Hühnereier. Außerdem verwendet man dabei genetisch veränderte Viren, also ein artifizielles Produkt. Die Zeit bis zur Produktion eines neuen Influenza-Impfstoffes sinkt von 22 auf zwölf Wochen."

Sehr wirksam

Baxter lag offenbar auch vergangenes Jahr bei der Pandemie mit seinem Zellkultur-Impfstoff in diesem Bereich. Allerdings benötigten scheinbar die europäischen Zulassungsbehörden dann lange bis zur Freigabe, wodurch sich der zeitliche Vorsprung wieder reduzierte.

Der neue Impfstoff ist laut Baxter jedenfalls hoch wirksam und gut verträglich. Das ergab eine Studie mit rund 7.200 Probanden im vergangenen Jahr in den USA. Ehrlich: "Insgesamt traten 73 Influenza-Erkrankungen auf, 60 davon in der Placebo-Gruppe. Insgesamt reduzierte der Impfstoff die Infektionsrate um 78,5 Prozent."

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: