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Ein Wal taucht auf

Walrotz, Fluchen und Oralsex

Ab Montag werden die Nobelpreise 2010 bekanntgegeben. Wie jedes Jahr wurden zuvor besonders bizarre Forschungsergebnisse mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Heuer dabei: Untersuchungen von Walrotz via Helikopter, schmerzlinderndem Fluchen und Oralsex bei Flughunden.

Ig-Nobelpreise 01.10.2010

Fluchen lindert Schmerzen

Die Ig-Nobelpreise werden jährlich für Forschungsarbeiten vergeben, die Menschen zuerst zum Lachen bringen und erst danach zum Denken.

"Ig-Nobel" ist ein Wortspiel mit "ignoble", was unwürdig, schmachvoll und schändlich bedeuten kann. Den Ig-Friedensnobelpreis gewannen Professor Richard Stephens und seine Studenten für die von ihnen nun wissenschaftlich untermauerte Erkenntnis, dass Fluchen schmerzlindernd wirken kann (hier die Studie).

Ö1-Sendungshinweis:

Über die Bekanntgabe der Nobelpreise 2010 berichten ab Montag, 4. Oktober die Ö1 Journale.

Der Professor machte die Erfahrung, als er sich mit dem Hammer auf den Daumen schlug und ihm dabei ein nicht druckbarer Fluch entfuhr, nach dem er sich aber besser fühlte. Kurz darauf brachte seine Frau die gemeinsame Tochter auf die Welt und bei den besonders langen und schmerzhaften Wehen soll sie so geflucht haben, dass selbst ein Seemann errötet wäre.

Sie habe sich danach bei der Hebamme entschuldigt, die allerdings gemeint habe, das sei doch nichts Besonderes, berichtete Stephens und fügte wissenschaftlich ernst hinzu: "Wir denken, dass beim Fluchen eine innere Reaktion in einem selbst erzeugt wird, die das Nervensystem anregt und eine Kampf- oder Fluchtreaktion auslöst."

Beförderungen nach dem Zufallsprinzip

Ig-Nobelpreis: Historische Higlights

1991, Pädagogik: Dan Quale(amerikanischer Vizepräsident unter Papa Bush, Anm.), weil er besser als jeder andere demonstriert hat, wie notwendig schulische Bildung ist.

1993, Mathematik: Robert W. Faid, für die exakte Berechnung der Wahrscheinlichkeit (710.609.175.188.282.000 : 1), mit der Michael Gorbatschow der Antichrist ist.

1996: Die Herausgeber der Zeitschrift "Social Text", weil sie Forschungsergebnisse gedruckt haben, denen zufolge die Realität nicht existiert(siehe auch: Sokal Affäre).

1996, Frieden: Jaques Chirac, der im Andenken des 50. Jahrestags vom Atombombenangriff gegen Hiroshima Atombomben im Pazifik testete.

1999, Krankenpflege: George und Charlotte Blonsky, für die Erfindung eines Tischs, der Frauen bei der Geburt unterstützt. Die Frau wird auf dem Tisch festgeschnallt, der dann mit hoher Geschwindigkeit rotiert.

2001, Technologie: John Keogh, der 2001 das Patent für die Erfindung des Rades anmelden wollte, und das Australische Patentamt, das das Patent gewährt hat.

2007, Frieden: Das Wright Labor der US_Airforce in Dayton, Ohio, für den Vorschlag eine "Gay-Bomb" zu entwickeln, die dafür sorgen solle, dass sich feindliche Soldaten plötzlich gegenseitig attraktiv finden.

Der Ig-Nobelpreis für Biologie ging an sieben chinesische Forscher, die dokumentierten, dass es im Liebesleben von Flughunden auch Oralsex gibt (die Studie). Der Preis für die besondere Ingenieursleistung ging an drei Forscher, die ein Verfahren entwickelten, Walrotz mit ferngesteuerten Hubschraubern einzusammeln. Die über das Blasloch der Meeressäuger "ausgeschiedenen Atemkondensate" könnten Aufschluss über den Gesundheitszustand des Tieres geben (die Studie).

Neuseeländische Forscher bekamen den Ig-Physiknobelpreis für den wissenschaftlichen Nachweis, dass über die Schuhe gezogene Socken die Rutschgefahr auf glatten Wegen deutlich mindern (die Studie). Der Management-Preis ging an drei Wissenschaftler, die mathematisch bewiesen, dass jene Organisationen effizienter werden, die Beförderungen nach dem Zufallsprinzip vornehmen (die Studie).

Nur die Ökonomen kamen nicht

Alle Preisträger bis auf eine Ausnahme waren unter den 1.200 Gästen der seit 20 Jahren stattfindenden Veranstaltung. Nur die Manager von Goldman Sachs, AIG, Lehman Brothers, Bear Stearns, Merril Lynch und Magnetar wollten nicht den sarkastischen Ig-Wirtschaftsnobelpreis für die Erfindung und Förderung neuer Investitionen haben, "die finanziellen Zuwachs maximieren und finanzielles Risiko minimieren".

Der Chefredakteur der "Annals of Immprobable Research" ("Annalen der unwahrscheinlichen Forschung", Übers.), Marc Abrahams, sagte, schon der Versuch, Einladungen auszusprechen, sei bei den Mitverantwortlichen der schweren Finanzkrise gegen eine Mauer des Schweigens geprallt. "Sie haben nie geantwortet, noch nicht einmal mit einem 'Nein, danke'."

Auch die Gäste durften einen buchstäblich kleinen satirischen Preis mit nach Hause nehmen: Bakterien, überreicht mit der Eintrittskarte. Und sie wurden mit der Weltpremiere der "Bacterial Opera" unterhalten, die von Abenteuern kleiner Lebewesen erzählt, die auf dem Schneidezahn einer Frau leben.

Mark Pratt/dapd

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