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Männer schwitzen "besser"

Es ist ein weit verbreitetes Gerücht, dass unsportliche Menschen schneller schwitzen. Das Gegenteil ist der Fall: Eine stärkere Transpiration verhilft Trainierten zu mehr Ausdauer. Die schlechte Nachricht für Frauen: Männer schwitzen generell leichter, Forschern zufolge können sie die Wärmeregulierung auch besser trainieren.

Ausdauer 08.10.2010

Nützliche Ausdünstungen

Auch wenn Schwitzen von vielen Menschen als unangenehm empfunden und mit allerlei Mitteln bekämpft wird, ist es - mit Ausnahme krankhafter Störungen - eine lebenswichtige Körperfunktion. Die Absonderung von Schweiß, einer wässrigen Körperflüssigkeit, hilft uns nämlich, den Wärmehaushalt zu regulieren; durch seine Verdunstung werden wir gekühlt.

Diese eingebaute "Klimaanlage" hält die Körpertemperatur selbst bei großer Hitze konstant. Übler Geruch entsteht übrigens vor allem durch bakterielle Zersetzungsprozesse, der Schweiß selbst ist nahezu geruchlos.

Schwitztraining

Zu transpirieren beginnt der Körper aber nicht nur bei wärmeren Außentemperaturen, sondern auch bei Erkältungskrankheiten, emotionaler Anspannung und körperlichen Anstrengungen. Ab wann und wie viel jemand dabei schwitzt, ist jedoch sehr unterschiedlich.

Man kann Schwitzen aber auch trainieren, etwa durch regelmäßigen Sport. Dabei sinkt die Temperatur, ab welcher der Körper Schweiß absondert. Ausdauersportler beginnen nicht nur früher mit der Schweißproduktion, diese ist auch höher. Ihre Körpertemperatur steigt dadurch langsamer und sie sind vor Überhitzung geschützt - so halten sie länger durch. Insgesamt schwitzen sie also effektiver.

Der kleine Unterschied beim Schwitzen

Dass es beim Schwitzen auch Geschlechtsunterschiede gibt, ist allgemein bekannt. Das heißt, in der Regel schwitzen Männer eher als Frauen. Studien legen nahe, dass das an den Sexualhormonen liegt. Vereinfacht ausgedrückt: Viel Testosteron - viel Schweiß. Beim Trainieren steigt der Spiegel des hormonellen Botenstoffs nochmals an.

Zur Studie in "Experimental Physiology": "Sex differences in the effects of physical training on sweat gland responses during a graded exercise" von Tomoko Ichinose-Kuwahara et al.

Für ihre aktuelle experimentelle Studie haben die Forscher um Tomoko Ichinose-Kuwahara von der Osaka International University nun untersucht, ob sich diese Unterschiede durch Training kompensieren lassen bzw. erhalten bleiben.

Schweißkontrolle beim Training

Die 37 Freiwilligen bestanden aus zehn trainierten und zehn untrainierten Frauen sowie aus acht trainierten und neun untrainierten Männern, wobei die unsportlichen bis auf Gymnastik in den letzten drei Jahren keinen Sport und die sportlichen seit sechs Jahren Ausdauersport betrieben hatten. Die Probanden durften die zwei Stunden vor Trainingsbeginn nichts mehr essen, keine der Frauen nahm hormonelle Verhütungsmittel. Die Raumtemperatur während des Versuchs betrug etwa 30 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit 45 Prozent.

Beim Versuch mussten die Teilnehmer eine Stunde lang Fahrrad fahren, mit steigender Intensität - bis zu 65 Prozent ihrer individuellen Ausdauerleistung, gemessen am Sauerstoffvolumen. Währenddessen wurden einige Körperfunktionen penibel gemessen und aufgezeichnet: die Körpertemperatur, die Herzfrequenz und die Schweißproduktion. Anzahl und Verteilung der Schweißdrüsen waren schon im Vorfeld erfasst worden.

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Frauen beim Schwitzen benachteiligt

Es bestätigte sich laut den Forschern, dass die Männer insgesamt effizienter schwitzen. Durch Training ließ sich zwar die Transpiration bei beiden Geschlechtern verbessern. Bei den männlichen Probanden funktionierte das aber deutlich besser, vor allem bei steigender Trainingsintensität. Den wenigsten Schweiß produzierten die untrainierten Frauen. Sie benötigten eine erheblich höhere Temperatur, um überhaupt ins Schwitzen zu kommen. "Es scheint, dass Frauen beim Schwitzen echt benachteiligt sind, besonders wenn es sehr warm ist", so Koautor Yoshimitsu Inoue.

Inoue vermutet eine evolutionäre Ursache hinter diesen Unterschieden: "Frauen haben generell weniger Körperflüssigkeit als Männer und trocknen daher schneller aus." Die geringere Ausdünstung könnte also auch eine Überlebensstrategie sein, besonders in heißen Umgebungen. "Die größere Schweißproduktion bei Männern könnte hingegen größere Effizienz bei körperlicher Arbeit bringen."

Frauen rät der Forscher, bei Hitze generell vorsichtiger zu sein. Beiden Geschlechtern würde es aber in keinem Fall schaden, regelmäßig zu trainieren und so die "Schwitzfähigkeiten" in ihren Rahmen zu verbessern.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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