Standort: science.ORF.at / Meldung: "Nächstenliebe ließ Urmenschen alt werden"

Beckenknochen des Homo heidelbergensis

Nächstenliebe ließ Urmenschen alt werden

Schon unter den Urmenschen scheint es so etwas wie Nächstenliebe gegeben zu haben: Wissenschaftler haben im Norden Spaniens Überreste eines vor rund einer halben Million Jahre lebenden Mannes entdeckt, der trotz schwerer Gebrechen älter als 50 Jahre wurde.

Anthropologie 12.10.2010

"Elvis", wie sie ihn benannt haben, war für damalige Verhältnisse damit ein Greis. Dass er es bis in dieses hohe Alter geschafft habe, sei durch die Hilfe anderer Urmenschen zu erklären, erläutert der Paläontologe Alejandro Bonmati.

Die Studie:
"A Middle Pleistocene lower back and pelvis from an aged human individual from the Sima de los Huesos site, Spain" ist in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) erschienen (DOI: 10.1073/pnas.1012131107

Auf Hilfe angewiesen

"Elvis", ein Homo heidelbergensis, habe einen äußerst schmerzhaften Wirbelsäulenschaden gehabt. Dies sei anhand seines Beckens und fünf Wirbeln nachgewiesen worden. Außerdem litt er an Arthrose (Gelenkverschleiß).

Er war somit stark gehbehindert und konnte nicht jagen. "Die anderen müssen ihn mit Fleisch versorgt und ihm beim Gehen geholfen haben", sagte Bonmati. Dies lasse auf ein altruistisches Verhalten schließen.

Aussehen rekonstruiert

Becken- und Wirbelknochen des "Homo heidelbergensis"

PNAS

Das Becken (Pelvis) war bereits vor 15 Jahren bei Ausgrabungen im Atapuerca-Gebirge nahe Burgos entdeckt worden. Seinen Namen verdankt der Hominide dem "King of Rock'n'Roll": Elvis Presley war wegen seiner sexy Hüftschwünge ("Elvis, the Pelvis") bekannt.

Mit den fünf später gefunden Wirbeln konnte nun das Aussehen des Urmenschen von Atapuerca rekonstruiert werden. Er war demnach mit einer Statur von 1,75 Metern und 95 Kilogramm Gewicht sehr robust.

Ältere Überreste

Im Atapuerca-Gebirge hatten Forscher bereits vor Jahren die bisher ältesten Überreste der ersten Westeuropäer entdeckt. Sie werden dem Homo antecessor zugerechnet, der nach Überzeugung vieler Wissenschaftler sowohl den modernen Menschen als auch den Neandertaler hervorbrachte.

Die Überreste lagen in einer Schicht von 1,1 bis 1,2 Millionen Jahre altem Gestein.

science.ORF.at/APA/dpa

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