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"Banlieu:" Hochäuser eines Pariser Vororts

Integration an Frankreichs Schulen gescheitert

Die französischen Schulen haben immer größere Schwierigkeiten, die Kinder von Einwanderern zu integrieren, insbesondere in jenen Gebieten Frankreichs, in denen die Konzentration von Ausländern besonders stark ist.

Gesellschaft 25.10.2010

Dies geht aus einem Bericht des Hohen Rates der Integration (HCI) hervor, der von der Online-Ausgabe des "Journal du Dimanche" veröffentlicht wurde. Das Dokument wird im November Premier Francois Fillon übergeben werden.

Verarmung und Ghettoisierung

Für das Versagen der Schule als Integrationsvektor macht der Bericht die wirtschaftlichen Veränderungen, die Verarmung der Bevölkerung und die Konzentration von Ausländern insbesondere in benachteiligten Vorstadtgebieten verantwortlich. Laut HCI ist in mindestens einem Fünftel der französischen Familien zumindest ein Elternteil ein Einwanderer.

Die höchste Konzentration von Ausländern findet man im nördlich von Paris gelegenen Departement Seine-Saint-Denis mit 57 Prozent gefolgt von Paris mit 41 Prozent und zwei weiteren Departements bei Paris, Val-de-Marne und Val-d'Oise, mit je 40 Prozent.

Ethnische Spannungen

Das französische Schulwesen ist laut Bericht besonders stark ethnischen Spannungen ausgesetzt. Immer mehr wird nach den Angaben die Ablehnung der republikanischen Werte aus religiösen oder ethnischen Gründen festgestellt. In gewissen Mittelschulen tun sich die Lehrer laut Studie schwer, die Geschichte des Holocaust oder des Konflikts im Nahen Osten objektiv darzulegen.

Der Bericht befasst sich auch mit der Effizienz der 110 Millionen Euro, die der französische Staat 2010 zur Verfügung gestellt hat, um die Qualität des Bildungswesens in den benachteiligten Departements zu verbessern. Von den Geldern profitierten laut Studie mehr als 725.000 Oberschüler (etwa ein Drittel der Gesamtanzahl) und 147.000 Grundschüler. Der Bericht beanstandet die Koordination der Maßnahmen und die Auswertung der damit erreichten Ergebnisse.

Der Hohe Rat für die Integration wurde im Jahr 1989 durch eine Regierungsverfügung des damaligen sozialistischen Premierministers Michel Rocard eingeführt. Seit 2008 wird der HCI von Patrick Gaubert geleitet. Dieses Organ hat eine beratende Funktion, um auf Anfrage des Premierministers Vorschläge zur Verbesserung bei der Integration von Einwandererkindern in den Schulen vorzulegen.

science.ORF.at/APA

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