Standort: science.ORF.at / Meldung: "Natron als Doping für Tennisspieler"

Tennisspieler trifft den Ball.

Natron als Doping für Tennisspieler

Man kennt es als Bestandteil von Backpulver, als Mittel gegen Sodbrennen und als jenen Teil der Zahnpasta, der die Zähne besonders weiß macht. Nun könnte Natron eine neue Bestimmung gefunden haben: Tennisspieler vor der Ermüdung zu bewahren.

Sport 27.10.2010

Profispieler getestet

Chen-Kang Chang und seine Kollegen vom Sportforschungszentrum des National Taiwan College of Physical Education haben neun professionelle Tennisspieler gebeten, vor einem Match ein Getränk zu sich zu nehmen. Manche erhielten Natron (NaHCO3) ins Glas gemischt, manche nur eine Placebo-Limonade. Eine Woche danach wurden die Getränke genau anders herum verteilt.

Die Studie:
"Sodium bicarbonate supplementation prevents skilled tennis performance decline
after a simulated match" erschien am 26. Oktober 2010 im "Journal of the International Society of Sports Nutrition".

Vor und nach dem Match unterzogen sich die Profis einem "Tennis-Geschicklichkeitstest": Es wurde überprüft, ob Aufschlag sowie Rückschlag des Balles durch Vor- und Rückhand noch exakt funktionieren.

Wirkung auf Nervenzellen

Der Vergleich der Natron- mit der Placebo-Gruppe zeigte eindeutig, dass Natron ermüdungsbedingte Fehler reduzierte. Der Grund dürfte dessen direkte Wirkung auf Nervenzellen sein, schreiben die Sportwissenschaftler. Normalerweise ermüden durch sportliche Betätigung auch die Nervenzellen, Reize werden etwa durch eine Änderung der Neurotransmitter-Konzentration verzögert weitergegeben, weshalb auch die Reaktionen im Spiel langsamer ausfallen.

Natron dürfte diese Ermüdungseffekte verzögern: Nach der Gabe von Natron können sich Muskeln wieder schneller zusammenziehen, der Spieler gewinnt an Schnelligkeit und Kraft.

Hobbysportler seien aber davor gewarnt, eigenmächtig mit Natron zu experimentieren. Erwischt man nämlich die falsche Konzentration, kann der pH-Wert des Blutes aus den Fugen geraten, was letztlich sogar lebensbedrohlich sein kann.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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