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FWF-Chef rät Sohn von Forscherkarriere ab

Nachwuchsforscher arbeiten in Österreich bisweilen unter mangelhaften Bedingungen. So sieht das zumindest Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Er sagt: "Ich rate meinem Sohn von einer wissenschaftlichen Karriere ab."

Universität 29.10.2010

"Förderprogramme unterdotiert"

Kratky betonte bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Arbeits- und Lebensverhältnisse von Post-Docs in Österreich", dass es etwa seitens des FWF genügend Förderprogramme gebe, diese aber allesamt finanziell unterdotiert seien. Diese Förderprogramme seien höchst erfolgreich als Überbrückung für Uni-Absolventen, die eine wissenschaftliche Karriere planten.

Offenbar nicht herumgesprochen habe sich allerdings der Umstand, dass die Einwerbung solcher Drittmittelprojekte durchaus als Qualitätssicherung gesehen werden kann. Wer dabei mehrmals erfolgreich war, sollte für eine Anstellung an einer Uni besonders interessant sein. Die Praxis sehe allerdings anders aus.

"Post-Doc sein ist nicht schwer, aber..."

Ö1-Sendungshinweis

Über die Finanzierung Österreichs Universitäten berichten die Ö1-Journale.

Auch die Molekularbiologin Renee Schroeder (Uni Wien) sieht den Übergang von über Drittmittel beschäftigte Wissenschaftler - sogenannte Freelancer - in Uni-Anstellungen als den eigentlichen Flaschenhals in der Karriere. "Post-Doc sein ist nicht schwer, aber dann...", berichtete die Forscherin. Sie bemängelte, dass die derzeitigen Systeme die wissenschaftliche Selbstständigkeit von Nachwuchsforschern auch kaum fördere.

Claus Tieber, Präsident der IG Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen, kritisierte, dass über Drittmittel finanzierte Post-Docs oft eine schlechte Anbindung an die Uni-Institute und teilweise nicht einmal einen Arbeitsplatz hätten. Abgesehen davon, seien auch die Uni-Anstellungen für Nachwuchsforscher grundsätzlich befristet, was die Sache für die Betroffenen nicht gerade erleichtere.

Problem: Befristungen

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), selbst Mitglied des Alumni-Vereins der ÖAW, räumte ein, dass Post-Docs mit "verschiedenen Problemen" zu kämpfen hätten. Das Problem mit den befristeten Uni-Jobs liege allerdings an den Universitäten selbst, die durchaus die Möglichkeit hätten, unbefristete Stellen zu vergeben.

Allerdings würden sich die Verantwortlichen aus der Tradition heraus scheuen, Kündigungen auszusprechen. So sei es einfacher, von vornherein nur befristete Verträge zu vergeben.

Wo sie die bei den Budgetverhandlungen zugestandenen 80 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich einsetzen wird, lies sich Karl bei der Veranstaltung an der Akademie der Wissenschaften trotz Nachfragen nicht entlocken. Nur so viel: Es werde keinesfalls Eingriffe, also Kürzungen in den Kernstrukturen wie Unis, Fachhochschulen, ÖAW oder auch IST Austria geben.

Auch trete sie dafür ein, die sogenannten Overhead-Kosten etwa bei FWF-Projekten wieder zu übernehmen. Ob und wann die Kosten etwa für Laborräume und Geräte wieder übernommen werden, stehe allerdings noch in den Sternen.

science.ORF.at/APA

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