Standort: science.ORF.at / Meldung: "Auch Sehen will gelernt sein"

Ein Fußabdruck des amerikanischen Astronauten Edwin E. Aldrin auf dem Mond (Archivfoto vom 20.07.1969).

Auch Sehen will gelernt sein

Kinderaugen sehen anders. Diesen Satz haben nun britische Psychologen im Experiment bestätigt - mit Hilfe fotografierter Fußabdrücke.

Wahrnehmung 02.11.2010

Ob ein Objekt konvex oder konkav geformt ist, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Zumindest dann, wenn von diesem Objekt nur ein zweidimensionales Bild zur Verfügung steht - ein Umstand, den sich etwa der niederländische Maler M. C. Escher für die verwirrenden Effekte seiner Kunst zunutze gemacht hat. Denn um zur "richtigen" Interpretation eines Netzhautbildes zu kommen, bedarf es kontextueller Erfahrung. Insofern ist es nicht überraschend, dass Erwachsene Bilder oft anders betrachten als es Kinder tun.

James Stone von der University of Sheffield hat nun 171 Kindern zwischen vier und zehn Jahren Bilder von Fußabdrücken vorgelegt und sie gefragt: konvex oder konkav? Die richtige Antwort war immer jene, die voraussetzte, das Licht komme von oben, wie es unter natürlichen Bedingungen auch der Fall ist. Wie Stone herausfand, ist die Trefferquote bei diesem Test stark altersabhängig.

Er schreibt in seiner Studie, dass Babies vermutlich schon mit 21 Monaten lernen, dass das Licht in der Regel von oben kommt. Aber die Umsetzung dieser Einsicht in der Wahrnehmung brauche eben seine Zeit, eine vollständig "erwachsene" Sicht der Welt stelle sich erst ab 13 Jahren ein. "Kinder sehen die Welt wirklich anders als Erwachsene, da ihre Wahrnehmungen noch viel flexibler sind", so Stone gegenüber der Zeitschrift "New Scientist". "Kein Wunder, dass sie jedes Mal einen Hund oder einen Bären sehen, wenn sie eine Wolke betrachten."

science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: