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Gehirn von modernem Menschen und Neandertaler im Vergleich

Neandertalerhirne sind anders gewachsen

Die Gehirne der Neandertaler waren zwar nicht kleiner als beim modernen Menschen, entwickelten sich aber anders. Deshalb gab es zwischen den beiden auch Unterschiede in den geistigen Fähigkeiten, meinen deutsche Anthropologen.

Anthropologie 08.11.2010

Anhand von Abdrücken des Gehirns in den Schädelknochen haben sie die Gestaltveränderung des Gehirns von der Geburt bis ins Erwachsenenalter untersucht.

Die Studie:

"Brain development after birth differs between Neandertals and modern humans" von Jean-Jaques Hublin erscheint in "Current Biology".

Verschiedene Entwicklungsmuster

Da Neandertaler und moderne Menschen ähnlich große Gehirne hatten, gingen viele Forscher bisher davon aus, dass auch die kognitiven Fähigkeiten beider Menschenarten ähnlich waren. Allerdings ist bei den modernen Menschen die innere Struktur des Gehirns bedeutsamer als dessen Größe. Nach der Erkenntnis der Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig unterscheidet sich der moderne Mensch durch eine frühe Phase der Gehirnentwicklung vom Neandertaler.

Für ihre Untersuchungen nutzten sie Abdrücke von Neandertaler-Gehirnen in fossilen Schädeln. Von entscheidender Bedeutung war das Skelett eines bereits 1914 in Frankreich gefundenen Neandertalerbabys. Die Kinderknochen landeten vergessen im Lager eines Museums und wurden erst 90 Jahre später wiederentdeckt.

Gehirn von modernem Menschen und Neandertaler im Vergleich

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Bei der Geburt sind die Gehirne von Neandertalern und modernen Menschen noch ähnlich. Die Rekonstruktion des Schädels eines Neandertalerkindes neben dem eines modernen Menschenkindes (Mitte). Abgüsse der inneren Schädelkapsel (Neandertaler: rot; moderner Mensch: blau) geben Aufschluss über Größe und Gestalt der Gehirne

Die Fragmente wurden zunächst per Computertomographie gescannt und dann im "Virtual Reality"-Labor des Max-Planck-Instituts rekonstruiert. Es zeigte sich, dass Neandertaler und moderne Menschen zwar ähnliche Gehirnvolumina erreichen, aber unterschiedliche Entwicklungsmuster haben.

Die Rolle der Gene

"Viele archäologische Befunde deuten auf Unterschiede im Verhalten zwischen modernen Menschen und Neandertalern hin. Unsere Ergebnisse zeigen, welcher biologische Mechanismus dem zugrunde liegen könnte", erläuterte Jean-Jaques Hublin, der Direktor der Abteilung für Humanevolution an dem Leipziger Institut ist.

Die Studie zeige deutliche Entwicklungsunterschiede direkt nach der Geburt. Bekannt ist zudem, dass sich der Mensch durch einige Gene vom Neandertaler unterscheidet, die wichtig für die Gehirnentwicklung sind.

Die Leipziger Forscher denken, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen können, die Funktion dieser Gene beim heutigen Menschen zu verstehen. "Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse die Grundlage bildet für weitere Studien", sagte Philipp Gunz vom Leipziger Forscherteam. "Wir wissen, dass einige der Gene etwas mit dem Gehirnwachstum zu tun haben, aber was diese Gene genau machen, wissen wir nicht."

science.ORF.at/dpa

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