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Katzenkopf mit heraushängender Zunge

Katzen beißen, um zu trinken

Katzen bauen beim Trinken mit ihrer Zunge eine Flüssigkeitssäule auf, von der sie im genau passenden Moment "abbeißen". Dieses Verhalten ist nach der Beobachtung von US-Forschern ein brillantes Beispiel für die Nutzung der Flüssigkeitsdynamik.

Hydrodynamik 11.11.2010

Abbeißen von Flüssigkeitssäule

Bislang wurde vermutet, dass Katzen - wie Hunde - beim Trinken ihre Zunge zu einer Art Suppenkelle biegen, um Milch oder Wasser in sich "hineinzulöffeln". Die neuen Bilder zeigen aber etwas anderes. Statt die Zunge tief einzutauchen, bauen die Vierbeiner mit einer minimalen Bewegung der Zungenspitze eine Flüssigkeitssäule auf. Dazu legen sie ihre Zunge auf die Wasseroberfläche und ziehen sie zurück.

Zur Studie in "Science":

"How Cats Lap: Water Uptake by Felis catus" von P.M. Reis et al.

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Dabei schnellt etwas Wasser in einer kleinen Säule nach oben. Später beißen die Tiere instinktiv im perfekten Moment von der Wassersäule ab. Sie wüssten genau, wann sie ihr Maul schließen müssten, ehe die Säule wieder in sich zusammenfällt.

Hydrodynamischer Instinkt

Roman Stocker vom Massachusetts Institute of Technology hatte die Idee zu dem Projekt, als er vor dreieinhalb Jahren seinen eigenen Kater Cutta Cutta beim Trinken beobachtete. Er und sein Kollege Pedro Reis warteten viele Stunden darauf, das Tier beim Trinken mit digitalen Kameras filmen zu können.

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Außer den eigenen Hochgeschwindigkeitsvideos werteten die Wissenschaftler auch Material von YouTube aus. Zudem bastelten sie eine Roboterzunge, um die physikalischen Prinzipien besser untersuchen zu können. Es zeigte sich, dass Katzen - egal welcher Größe und Art - instinktiv die Prinzipien der Flüssigkeitsdynamik beherrschten. Cutta Cutta und seine Artgenossen bewegen ihre Zunge viermal pro Sekunde. Großkatzen wie Tiger wüssten, dass sie langsamer schlabbern müssten, um den perfekten Moment zu erwischen.

Optimaler Zungenschlag

Die Wissenschaftler ermittelten zudem die sogenannte Froude-Zahl, mit der hydrodynamische Strömungsbedingungen wissenschaftlich beschrieben werden. Sie liege bei fast genau eins. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob es sich um Haustiere oder Wildkatzen handele. Die Vierbeiner regelten ihren Zungenschlag je nach Körpergröße so, dass sie diesen Wert erreichten und damit die größtmögliche Flüssigkeitsmenge aufnehmen könnten.

"Daraus lässt sich schließen", sagte der an der Untersuchung beteiligte Mathematiker Jeff Aristoff von der Princeton University, "dass Katzen schlauer sind, als manche Leute denken, zumindest, wenn es um Hydrodynamik geht."

science.ORF.at/APA/dpa

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