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Frau, die vor ihrem Gesicht einen 100-Euro-Geldschein hält.

Budgetstreichung für mehr Chancengleichheit

Bei der aktuellen Debatte um Einsparungen im außeruniversitären Forschungsbereich wurde bisher ein Aspekt übersehen: Schon jetzt gibt es viele Einrichtungen, die keine Basisförderungen durch das Wissenschaftsministerium erhalten. Als Beitrag zur Chancengleichheit sieht deshalb die Vertreterin einer derartigen Institution die Budgetstreichungen.

Ausseruniversitäre Forschung 16.11.2010

"Prinzipiell finde ich es gut, wenn es eine Basisförderung in der außeruniversitären Forschung gibt. Aber die Bedingungen sollten für alle Institutionen gleich sein, damit es zu keinen Wettbewerbsverzerrungen kommt", sagt Karin Steiner, die Geschäftsführerin des Forschungsinstituts abif (Analyse Beratung und interdisziplinäre Forschung). "Außeruniversitäre Forschung ist in Österreich schon jetzt auch ohne derartige Förderungen möglich."

Mehr nicht-Subventionierte als Subventionierte

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Budgeteinsparungen im außeruniversitären Forschungsbereich berichtete am Donnerstag, 11.11, auch Ö1 Wissen aktuell, über die aktuelle Diskussion informieren auch die Ö1 Journale. IFK-Direktor Helmut Lethen ist am Dienstag, 16. 11. 2010, zu Gast in der Ö1-Sendung "Von Tag zu Tag".

Das abif ist ein sozialwissenschaftliches Forschungs- und Beratungsinstitut in Wien, das keine Basissubventionen des Wissenschaftsministeriums erhält und nach Eigenangaben dennoch floriert.

Die aktuellen Aussagen von Vertretern anderer Institutionen, wonach "die außeruniversitäre Forschung vor dem Zusperren" stehe, hält sie für ruf- und kreditschädigend. "Wir werden alle in einen Topf geworfen, dabei gibt es mehr nicht-subventionierte als subventionierte Institute."

Das Ministerium will sparen

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) will bei rund 70 Instituten und Vereinen - der Großteil davon aus dem sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich - ab 2011 die Basissubventionen streichen. Jährliche soll das Einsparungen von acht Millionen Euro bringen.

Betroffen davon sind Institutionen wie das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), das Zentrum für soziale Innovation (ZSI), und die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba). Die Einrichtungen fürchten um ihre Existenz, ein Teil von ihnen hat sich zur Plattform "Wissen/schafft/Österreich" zusammengeschlossen und möchte in Zukunft den Verein "Wissenschaftskonferenz Österreich" bilden.

"Einige Kollegen und ich haben schon scherzhaft vorgeschlagen, einen Klub der nicht-basisfinanzierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu gründen", kommentiert Karin Steiner diese Bemühungen. Der Klub hätte jedenfalls nicht wenige Mitglieder: 33 nicht-subventionierte Institute aus den Sozialwissenschaften hat Steiner gezählt.

Fördervergabe soll objektiv und transparent sein

Fakt ist aus ihrer Sicht, dass die bisher übliche Situation den Wettbewerb in Österreich verzerrt. "Auch wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder um Förderungen angesucht, aber nie welche erhalten. Bei der Entscheidung geht es letztlich immer darum, wie gut man es sich mit dem Ministerbüro steht. Die Basissubventionen waren bisher den Günstlingen des Ministeriums vorbehalten, die Beamten hatten Vorschlagsrecht, der Minister das letzte Wort", so Steiner zu science.ORF.at.

Sie fordert nun gleiches Recht für alle: "Entweder die Basisförderungen werden für alle Institute gestrichen oder die Kriterien der Vergabe werden objektiviert und transparent gemacht. Die ministerielle Willkür muss endlich ein Ende haben."

Um die derzeit in der Diskussion genannten Institute wie Forba oder ZSI macht sich Steiner keine Sorgen: "Die werden in guter österreichischer Tradition mit Hilfe anderer Fördermaßnahmen schon überleben."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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