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Ein Bluttropfen auf einem Finger

Blut verrät Alter eines Opfers

Wenn an einem Tatort nicht mehr als Blutflecken bleiben, kann nun ein neuer Test zumindest das Alter des Opfers oder Täters klären: Bestimmte Elemente der DNA von Blutzellen verraten auf neun Jahre genau, wie alt jener Mensch war, der die Spuren am Tatort hinterlassen hat.

Forensik 23.11.2010

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit könnten sofort mit einem neuen Test angewendet werden, berichten Manfred Kayser von der Erasmus Universität in Rotterdam und seine Kollegen.

Die Studie "Estimating human age from T-cell DNA rearrangements" wurden in "Current Biology" veröffentlicht (doi:10.1016/j.cub.2010.10.022).

Schwierige Rekonstuktion

DNA-Tests zur Klärung von Verbrechen basieren auf dem Vergleich: Eine Spur von einem Tatort wird analysiert, die DNA-Informationen in eine Datenbank eingegeben - und dann heißt es hoffen, dass sich die gefundene DNA bereits im System befindet, der Täter bzw. das Opfer also schon bekannt ist. Wollte man Informationen zu anonymen Opfern rekonstruieren, war man bisher auf Körperteile angewiesen, die das zuließen - etwa Knochen oder Zähne zur Altersbestimmung.

2008 wurde entdeckt, dass die Augenfarbe eines Menschen von einem einzigen Gen bestimmt wird. Diese Erkenntnis wurde auch für die Forensik genutzt und ein Test entwickelt, mit dem man anhand von Spuren bestimmen kann, ob Opfer bzw. Täter blaue oder braune Augen haben.

Informative T-Zellen

Nun berichten Forscher, dass sie aus Spuren noch ein weiteres Merkmal rekonstruieren können. Die auf die Abwehr von Krankheitserregern spezialisierten T-Zellen des Blutes verändern ihre "Gestalt", wenn sie älter werden. Konkret stellen sie einen Rezeptor her, mit dem sie Erreger identifizieren können. Dabei bleiben DNA-Schnipsel übrig - und die Menge dieser Schnipsel ist laut Studie ein konkreter Hinweis auf das Alter eines Menschen.

Überprüft wurde diese These an 195 freiwilligen Testpersonen im Alter zwischen wenigen Wochen und 80 Jahren. Die Korrelation ist nicht perfekt, um bis zu neun Jahre lagen die Forscher falsch. Allerdings reicht diese Genauigkeit, um ein mögliches Opfer etwa im richtigen Altersbereich von Vermissten-Datenbanken zu finden, die meist in Schritten von 20 Jahren gegliedert sind.

Der Alterstest kann auch durchgeführt werden, wenn nur wenige Blutflecken an einem Tatort zu finden sind, so die Forscher. Sie hoffen, dass die neue Methode bald von den Kriminalisten entdeckt wird.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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