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Weltaumschrott, der um die Erde kreist

Ein Fangnetz gegen den Weltraumschrott

Mehrere 100.000 kleinere und größere Stücke Weltraumschrott hat die Raumfahrt bisher freigesetzt. Was zu einer wachsenden Gefahr für Satelliten und Raumschiffe wird, will die japanische Raumfahrtbehörde nun in alter Fischfangtradition beseitigen: mit einem riesigen Weltraumnetz.

Raumfahrt 02.02.2011

Dabei soll es zu einer Kooperation mit einer alten japanischen Fischnetzfirma kommen, wie die britische Tageszeitung "The Telegraph" am Mittwoch berichtet.

Bedrohung für Satelliten und ISS

95 Prozent Schrott

Weltraumschrott, der um die Erde fliegt

NASA/Orbital DebrisGraphics

In der - hier vom NASA Orbital Debris Program
skizzierten - Höhe von 2.000 Kilometern über der Erdoberfläche befindet sich der meiste Weltraumschrott. Bei 95 Prozent handelt es sich um derlei "nicht-funktionale Satelliten".

Trümmer von Raumfähren, abgeworfene Raketenteile und zerstörte Satelliten: Wieviele dieser und anderer Bestandteile von Weltraumschrott sich in der Erdumlaufbahn befinden, weiß niemand genau. Die Schätzungen reichen von einigen Hunderttausend Stück bis zu Millionen.

Sicher ist hingegen, dass die zunehmende Anzahl ein Problem darstellt: bei Kollisionen könnten sowohl Satelliten beschädigt und ihre Funktionen gestört, als auch ganze Raumschiffe und ihre Besatzung in Gefahr gebracht werden. Die Internationale Raumstation ISS etwa war in den vergangenen Jahren immer wieder von knapp vorbeifliegenden Trümmern bedroht.

Netz verglüht in der Atmosphäre

Vor diesem Hintergrund hat die japanische Weltraumbehörde JAXA nun einen verwegenen Plan vorgestellt. Ein Satellit soll in die Erdumlaufbahn geschossen werden mit einem riesigen Fangnetz an Bord.

Sobald der Satellit die richtige Position erreicht hat, soll sich das - mehrere Kilometer lange, ein Millimeter dicke und aus einem speziell verarbeiteten Metall bestehende - Netz lösen, ausbreiten und in der Erdumlaufbahn Teile des Weltraumschrotts einsammeln.

Da sich das Netz im Lauf seiner Reise elektrisch auflädt, gehen die Forscher davon aus, dass es vom Magnetfeld der Erde angezogen wird und dann mitsamt seinem Inhalt in der Erdatmosphäre verglüht.

Frühestens in zwei Jahren

Sendungshinweis:

Älteste Galaxie entdeckt: Zeit im Bild, 27.1.,
19.30 Uhr (Beitrag in der ORF TVthek).

Entwickelt wird das Fangnetz von der japanischen Firma Nitto Seimo, die laut dem "Telegraph" im Jahr 1925 mit der Erfindung des ersten knotenlosen Fischernetzes berühmt geworden ist. Sechs Jahre Forschung für das Weltraumnetz sind bereits vergangen, in frühestens zwei Jahren könnte es tatsächlich realisiert werden.

Sollte es dazu kommen, wird bis dahin ein Hauptproblem zu lösen sein: Dass das Netz wirklich nur den unerwünschten Schrott abräumt und nicht nebenbei auch Satelliten aus ihrer Umlaufbahn fischt.

science.ORF.at

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