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Fossil der Schlange

Wie Schlangen ihre Beine verloren

Dank einer neuen Röntgentechnik haben Wissenschaftler bei einem 95 Millionen Jahre alten Schlangenfossil Reste von Hinterbeinen ausgemacht. Dies stützt die Annahme, dass sich Schlangen aus Urzeitreptilien auf dem Land entwickelten und im Lauf der Evolution ihre Gliedmaßen verloren

Zoologie 09.02.2011

Die Studie:

"Three-dimensional pelvis and limb anatomy of the Cenomanian hind-limbed snake Eupodophis descouensi revealed by synchrotron-radiation computed laminography" von Alexandra Houssaye und Kollegen ist in der Fachzeitschrift "The Journal of Vertebrate Paleontology" erschienen.

Von den dreidimensionalen Röntgenbildern der Beinreste berichtet eine Forschergruppe um Alexandra Houssaye vom Museum National d'Histoire Naturelle in einer Studie.

Verstecktes Bein vermutet

Weltweit sind nur drei Exemplare eines Schlangenfossils mit erhaltenen Beinknochen bekannt. In diesem Experiment wurde ein Exemplar der Art Eupodophis descouensi untersucht, deren 95 Millionen Jahre alte, versteinerte Überreste vor zehn Jahren im Libanon entdeckt wurden.

Das 95 Millionen Jahre alte Fossil der Schlange

A. Houssaye

Das 95 Millionen Jahre alte Fossil der Schlange.

Die etwa 50 cm lange Schlange trägt am Hüftkorb ein kleines, zwei Zentimeter langes Bein. Dieses Detail verleiht dem Fossil eine Schlüsselstellung zum Verständnis der Schlangenevolution: Es stellt eine entwicklungsgeschichtliche Zwischenstellung dar, während der die Schlangen ihre von den Eidechsen geerbten Beine noch nicht vollständig verloren hatten.

Da nur ein Bein an der Oberfläche des Fossils sichtbar ist, wurde ein zweites, verstecktes Bein in der Steinplatte vermutet. Für die aktuelle Untersuchung wurde das Fossil daher mittels eines Teilchenbeschleunigers von allen Seiten mit Hochenergie-Röntgenstrahlen durchleuchtet. Das zweite Bein konnte damit nachgewiesen und in allen Details abgebildet werden.

Im Knie gebogen

Falschfarbenaufnahme des zweiten Beines der Schlange in einem 95 Millionen Jahre alten Fossil.

ESRF

Falschfarbenaufnahme des zweiten Beines der Schlange.

Die hochaufgelösten, dreidimensionalen Aufnahmen, vor allem des im Stein verborgenen Beins, legen nahe, dass diese Art ihre Beine verlor, indem sie weniger schnell oder nur für kurze Zeit wuchsen. Die Aufnahmen zeigen auch, dass das im Stein verborgene Bein am Knie gebogen war und vier Knöchelknochen besaß, dagegen weder Fuß- noch Zehenknochen.

"Die Entdeckung der inneren Struktur der hinteren Eupodophis-Gliedmaßen erlaubt uns nun zu untersuchen, wie sich die Extremitäten im Lauf der Schlangenevolution zurückgebildet haben", kommentiert Alexandra Houssaye die Untersuchung. Sie legt nahe, dass die heute lebenden Schlangen von Urreptilien abstammen, die auf dem Land lebten und nicht im Meer.

science.ORF.at/APA/AFP

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