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Überflutete Wohnhäuser in Australien

Ist der Mensch Schuld an Überflutungen?

Welche zerstörerische Kraft Wetterextreme haben können, wurde in den letzten Jahren mehrmals sichtbar, zuletzt etwa bei den schweren Überschwemmungen in Australien. Der menschliche Einfluss auf derartige Ereignisse ist umstritten. Zwei Studien zeigen nun, dass anthropogene Treibhausgase das Niederschlagsrisiko tatsächlich erhöht haben.

Wetter 17.02.2011

Steigende Fluten

Wetterextreme wie etwa heftige Regenfälle haben häufig verheerende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Autos, Straßen, Häuser und ganze Landstriche verschwinden in der Folge in den Wassermassen, die weder Flüsse noch der Boden aufnehmen können. Derartige Naturkatastrophen kennt die Menschheit seit Jahrtausenden; in den vergangenen Jahren haben Hochwasser jedoch weltweit zugenommen, genauso wie die daraus folgenden Schäden.

Wer oder was für diese Entwicklung verantwortlich ist, lässt sich nicht ganz einfach beantworten: Unter Verdacht stehen unter anderem eine veränderte Landnutzung, Flussbaumaßnahmen und nicht zuletzt der Klimawandel. Mit der steigenden Temperatur verändere sich auch die Wasserspeicherkapazität der Atmosphäre. D.h. mit jedem Grad mehr, kann sie auch mehr Wasser aufnehmen. Manche Experten gehen sogar von einem exponenziellen Anstieg aus.

Unterschätzter Anstieg?

Die bisherigen Studien dazu verließen sich meist auf Modellrechnungen. Die Forscher um Seung-Ki Min von Environment Canada haben nun versucht, die Vermutung faktisch zu untermauern. Dafür haben sie tägliche Wetterdaten der Nördlichen Hemisphäre von 1951 bis 1999 von insgesamt 6.000 Stationen ausgewertet und diese mit Simulationen verglichen.

Die Berechnungen ergaben, dass die beobachtete Zunahme von heftigen Niederschlägen zumindest in zwei Drittel der untersuchten Regionen tatsächlich durch die Zunahme an Treibhausgasen zu erklären ist. Die Ergebnisse legen den Forschern zufolge zudem nahe, dass gängige Klimamodelle das Ausmaß des Einflusses sogar unterschätzt haben: Möglicherweise werden die Niederschläge und ihre Folgen noch stärker zunehmen als bisher befürchtet.

Extremes Wetter

Ö1 Sendungshinweis:

Mit der Analyse von Katstrophen beschäftigten sich auch die Dimensionen, am 10.2. um 19:06 Uhr.

Mit einer regionalen Untersuchung kommt das Team um Pardeep Pall von der University of Oxford zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie haben die Überschwemmungen in Großbritannien im Jahr 2000 untersucht. Es war der niederschlagreichste Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1766 - laut Meteorologen eine Folge der Verschiebung des nordatlantischen Jet-Streams.

Die Forscher haben tausende Simulationen des außergewöhnlichen Wetterereignisses durchgeführt, zum Teil unter realistischen Bedingungen. Bei einigen Berechnungen haben sie jedoch Einflussfaktoren - wie die Erwärmung durch von Menschen verursachte Treibhausgase - herausgenommen.

Dabei zeigte sich, dass das Überschwemmungsrisiko durch diese Emissionen tatsächlich stark erhöht worden war - wenn auch das genaue Ausmaß dieses Effekts schwer zu schätzen ist, wie die Autoren einschränken. Laut den Resultaten beträgt die Erhöhung in neun von zehn Fällen etwa 20 Prozent.

Was erklärt die regionalen Unterschiede?

Menschengemacht oder nicht - sämtliche Einflussfaktoren zu finden, welche zu einer Veränderung der Niederschläge führen, bleibt ein komplexes Problem, wie Richard P. Allen von der University of Reading in einem begleitenden Kommentar in derselben Ausgabe von "Nature" schreibt.

So gebe es etwa große regionale Unterschiede in der Intensität, denn während in manchen Gegenden die Regenfälle immer stärker werden, nehmen sie in anderen, ohnehin schon trockenen Regionen weiter ab. Zu wissen, welche physikalischen Mechanismen bzw. klimatischen Veränderungen hinter dieser Verteilung von Extremen liegen, wäre im Sinne präventiver Strategien allerdings entscheidend.

Die neuen Studien würden jedoch in jedem Fall belegen, dass der Mensch und seine Treibhausgase zu den Veränderungen im Wasserhaushalt zumindest beitragen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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