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Rekonstruktion eines Neandertalers.

Neandertaler schmückten sich mit Federn

Was trug der modebewusste Neandertaler vor 44.000 Jahren? Federn. Das meint zumindest ein italienischer Anthropologe von Knochenfunden ablesen zu können.

Anthropologie 23.02.2011

Marco Peresani von der Universität Ferrara fand in der norditalienischen Fumane-Höhle 660 Vogelknochen sowie an derselben Stelle auch Gebeine von Neandertalern. Wie er im Fachblatt "PNAS" (Online-Veröffentlichung) schreibt, weisen die Vogelknochen Anzeichen einer spezifischen Bearbeitung auf: Sie sind just an jenen Stellen durchgeschnitten bzw. abgeschabt, wo die Ansatzstellen der Federkiele sitzen.

Das weist darauf hin, dass die Federn von den Neandertalern gezielt entfernt wurden. Nachdem die Knochen zu Vögeln gehören, die eine eher mangelhafte Nahrungsquelle darstellen, und außerdem Pfeile mit Federstabilisatoren zu dieser Zeit noch nicht erfunden waren, sieht Peresani nur eine Interpretation: Die Federn dienten als Schmuck. Ganz unplausibel ist das nicht, schließlich haben Neandertaler auch Muscheln für Halsketten verwendet, wie eine Studie vom Jänner letzten Jahres zeigte (PNAS, Bd. 107, S. 1023). Und nebenbei würde diese Deutung belegen: Italien war schon damals das Zentrum der Modewelt.

Robert Czepel, science.ORF.at

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