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Rekonstruktion des Urtierchens Diania cactiformis

Urtierchen war "wandelnder Kaktus"

Zehn Paar stachelige Beine, die aus einem wurmartigen Körper sprießen: Wissenschaftler beschreiben das sechs Zentimeter lange Urzeitwesen "Diania cactiformis" als "wandelnden Kaktus". Der rund 450 Millionen Jahre alte Stachel-Wurm deutet auf eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Stummel- und Gliederfüßern hin.

Paläontologie 24.02.2011

Eine Art Sphinx

Zur Studie in "Nature":

"An armoured Cambrian lobopodian from China with arthropod-like appendages" von Jianni Liu et al.

Naturecover mit Urtierchen, 24. Feb 2011

Nature

Diese Verbindung sei bisher noch nicht belegt gewesen, berichtet Paläontologe Michael Steiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin. "Die Fossilien aus China hatten wir seit zehn Jahren in der Schublade. Aber lange wussten wir nicht richtig, was wir damit anfangen sollten."

Erst als Steiner sich mit der chinesischen Doktorandin Jianni Liu zusammensetzte, die zurzeit in Berlin arbeitet, kamen sie dem Rätsel gemeinsam auf die Spur. Jianni Liu besaß Wurm-Fossilien vom gleichen Fundort in China. Als alle Versteinerungen nebeneinanderlagen, erkannten die Forscher eine Art Sphinx: ein Tier, das Merkmale von zwei verschiedenen Tiergruppen in sich trägt, den Stummel- und den Gliederfüßern.

"Misch"-Füßer

Die Gliederfüßer hatten in der Evolution die Nase vorn und entwickelten sich etwa zu heutigen Insekten, Spinnen, Krebsen oder Tausendfüßern. "Charakteristisch für Gliederfüßer ist eine gepanzerte Hülle wie eine Ritterrüstung", erläutert Steiner. Und natürlich Beine, auf denen sie laufen können. Stummelfüßer waren im Erdzeitalter Kambrium dagegen kleine, weiche Würmer mit Mini-Beinchen, die im Meer lebten. Weiterentwickelt haben sie sich kaum. Heute finden sie sich an Land - und nur noch in Urwäldern.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch "Wissen Aktuell" am 24.2., 13:55.

Der "wandelnde Kaktus" hat etwas von beiden: Beine zum Laufen und erste Ansätze einer Art Schutzweste am Körper. Er existierte den Forschern zufolge parallel. Das größte Rätsel bleibt den Wissenschaftlern aber weiter verborgen. Seit langem suchen sie nach dem gemeinsamen Ur-Vorfahren der verschiedenen Füßer-Familien. Doch der hat sich in Funden aus dem Kambrium noch nicht gezeigt.

science.ORF.at/APA/dpa

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