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Studie: Sekundenschlaf kündigt sich an

Viele Verkehrsunfälle, besonders in den Morgenstunden, sind auf Übermüdung zurückzuführen. Eine großangelegte Nachtfahr-Studie zeigt nun: Sekundenschlaf kommt nicht aus dem Nichts, sondern kündigt sich bei allen Autofahrern durch ähnliche Verhaltensweisen an.

Verkehrspsychologie 28.02.2011

Die Studie wurde von ÖAMTC, dem Institut für Schlaf-Wach-Forschung (ISWF) und ASFINAG gemeinsam durchgeführt.

Steigende Inaktivität

Die Datenaufzeichnungen (EEG, Videos und GPS-System) von 59 Autofahrern ergaben, dass bei allen Fahrern nahezu zeitgleich im 30-Minutentakt abwechselnd die gleichen "Aktivitätsphasen" (Gähnen, Drehen und Neigen des Kopfes, Lautäußerungen wie Selbstgespräche oder Singen, Hin- und Herrutschen des Oberkörpers, unruhige Hände) und "Inaktivitätsphasen" auftreten.

Nach einem Maximum an Bewegung zu Fahrtbeginn tritt eine Art Starre ein, die dann wieder durch eine Bewegungsphase abgelöst wird. "Die Testfahrer bäumen sich gegen die wachsende Müdigkeit auf", erklärte Gerhard Klösch (ISWF). Die länger anhaltende Inaktivitätsphase, gefolgt von häufigeren Bewegungen, kann als absolutes Alarmzeichen gedeutet werden.

Durchfahren oder Pause

Die Probanden wurden in zwei Testgruppen geteilt. Während die Gruppe der "Durchfahrer" ohne Pause ihre Runden gedreht haben, hat eine Gruppe von 28 Testfahrern ("Nappern") nach 1,5 Stunden eine halbstündige Ruhepause auf einem Parkplatz eingelegt.

Die Befragung ergab, dass die "Napper" das Gefühl der Müdigkeit in der Pause abbauen konnten. Sie fühlten sich nach der Fahrt weniger müde und waren bei besserer Stimmung - das hat positiven Einfluss auf das Fahrverhalten. Die "Durchfahrer" hingegen fühlten sich nach der Fahrt deutlich müder als davor.

Wahrnehmungsprobleme

Während der Testfahrt sind überraschend Verkehrszeichen jeweils für die Dauer weniger Fahrrunden an den Streckenrand gestellt worden. Mehr als 16 Prozent der "Durchfahrer" haben diese komplett übersehen. Ein Fehler, der in der Gruppe der "Napper" nicht passiert ist. Ähnliche Ergebnisse lieferte die Messung der Reaktionszeit nach der Testfahrt: Auch hier übersahen die "Durchfahrer" mehr dargebotenen Reize. "Bei längeren Nachtfahrten kann es also zu massiven und gefährlichen Wahrnehmungsproblemen kommen", sagte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

Damit es zu keinem Sekundenschlaf kommt, gab der ÖAMTC folgende Tipps: Pausen bereits vor Fahrtantritt in der Nacht fix einplanen. Nicht erst dann pausieren, wenn man bereits müde ist. Eine Nachtfahrt nur ausgeruht starten. Mehr als 17 Stunden Wachzeit vor Fahrtbeginn ist ein zusätzliches Risiko. Vorboten für Sekundenschlaf sind: Wenn die Gedanken abdriften, Tagträume auftreten und man sich nicht an die Strecke erinnern kann, die man kurz zuvor zurückgelegt hat, unruhiges Sitzen, häufiges Herumdrehen des Oberkörpers, rastlose Hände und Kopfbewegungen, gefolgt von einer längeren Starre.

science.ORF.at/APA