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Ratte und Neuronen.

Enzym verstärkt Erinnerungen

US-amerikanische und israelische Neurobiologen haben ein wichtiges Stellglied der Gedächtnisbildung entdeckt: Mit Hilfe des Moleküls lassen sich Erinnerungen festigen und löschen, wie Versuche an Ratten zeigen.

Hirnforschung 07.03.2011

Wirkung an Synapsen

Demenzkrankheiten und Amnesien schwächen bekanntlich das Gedächtnis. Doch das muss nicht immer so bleiben: Sofern die Forschungen des israelischen Neurobiologen Yadin Dudai weiterhin so erfolgreich laufen wie bisher, haben Mediziner vielleicht in einigen Jahren einen Wirkstoffkandidaten bei der Hand. Die Substanz, die derlei Hoffnungen weckt, heißt "Proteinkinase M-Zeta" (PKMζ). Das Enzym modifiziert Proteine, die in Synapsen des Nervensystems sitzen.

Die Studie:

Enhancement of Consolidated Long-Term Memory by Overexpression of Protein Kinase Mζ in the Neocortex: "Science" (Bd. 331, S. 1207; doi: 10.1126/science.1200215).

Wie Yadin Dudai im Fachblatt "Science" berichtet, hat die Enzymaktivität maßgeblichen Einfluss auf die Abrufbarkeit von Gedächtnisinhalten. Dudai gab Ratten süßes, Lithium-haltiges Wasser zu trinken, woraufhin diese Vergiftungssymptome entwickelten. Eine Woche nach dem Versuch aktivierte Dudai bei einem Teil der Versuchstiere die PKMζ-Aktivität im Neocortex. Sie assozierten daraufhin "Süß" mit Unwohlbefinden und verweigerten den Konsum von Zuckerwasser, und zwar nachdrücklicher als es bei einer Kontrollgruppe ohne Eingriff im Neocortex der Fall war.

Jene, bei denen das Enzym künstlich gehemmt worden war, konsumierten hingegen bereitwillig das Süßgetränk - so, als hätte der Versuch mit Lithium-Wasser niemals stattgefunden. Ähnliche Resultate brachten Experimente mit salzigem Wasser.

Dudai vermutet, dass der Eingriff auch andere Gedächtnisinhalte beeinflusst. Das Enzym könnte daher eine Ansatzstelle für zukünftige Demenztherapien sowie für die Behandlung von posttraumatischen Störungen sein. Im letzteren Fall müssten die Forscher allerdings noch einen Weg finden, zwischen erwünschten und unerwünschten Erinnerungen zu unterscheiden.

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