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Zwei Gehirne im Scan gegenüber

Evolution ließ Menschenhirne schrumpfen

Das Gehirn des Menschen ist im Laufe der Naturgeschichte immer voluminöser geworden. In den letzten 10.000 Jahren ging es allerdings wieder steil bergab.

Biologie 09.03.2011

Kleine Köpfe bevorzugt

Dass unser Denkorgan evolutionär betrachtet deutlich zugelegt hat, ist allgemein bekannt: Am Beginn des Pleistozäns, also vor gut zwei Millionen Jahren, betrug das durchschnittliche Hirnvolumen eines Vertreters der Gattung "Homo" einen dreiviertel Liter. Vor 30.000 Jahren waren es anderthalb - eine glatte Verdoppelung. Das passt zum Selbstverständnis jener Art, die sich selbst das Epitheton "sapiens", "vernunftbegabt", verliehen hat.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch "Wissen Aktuell" am 9.3., um 13:55.

Weniger gut passt dazu, dass unser Gehirn in den letzten 10.000 Jahren wieder deutlich geschrumpft ist. Beispielsweise ist das Gehirnvolumen europäischer Frauen seit dem Ende der Eiszeit von 1,5 auf aktuelle 1,24 Liter gefallen, wie ein Studie zeigt (Human Evolution, Bd. 60, S. 395). Ähnliches gilt auch für Männer.

Der Anthropologe John Hawks von der University of Wisconsin-Madison ist nun der Frage nachgegangen, woran das liegen könnte (arXiv-Preprint). Eine Hypothese ist, dass es sich dabei um einen Nebeneffekt abnehmender Körpergröße handeln könnte. Hawks hat nun ein statistisches Modell vorgelegt, das zeigt: Die Erklärung ist sehr unwahrscheinlich, zumal es auch wenig empirische Anzeichen dafür gibt, dass Homo sapiens in den letzten 10.000 Jahren kleiner geworden ist.

Offenbar hat die Selektion in diesem Zeitraum tatsächlich Menschen mit kleineren Köpfen bevorzugt. Das könnte etwa am Energiehaushalt oder auch an der Hirnentwicklung liegen, schreibt Hawks. Eine definitive Antwort haben die Anthropologen noch nicht.

Robert Czepel, science.ORF.at

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