Standort: science.ORF.at / Meldung: "Tigerkot gegen hungrige Pflanzenfresser"

Junge Ziege knabbert an Pflanze

Tigerkot gegen hungrige Pflanzenfresser

Mit einer ungewöhnlichen Waffe könnten Wildhüter Pflanzen künftig vor Fraßfeinden schützen - mit übel riechendem Tigerkot. Wissenschaftler forschten acht Jahre lang an Mitteln, wie man Tiere wie Ziegen oder Kängurus von Pflanzen fernhalten kann, die sie sonst auffressen würden.

Pflanzenschutz 09.03.2011

Häufig würde dazu bereits abstoßender Gestank wie der fauler Eier eingesetzt, erklärte der Forscher Peter Murray von der Universität Queensland. Tigerfäkalien hätten sich aber als besonders wirksam erwiesen: "Wenn das Tier ein Raubtier in der Nähe riecht, dann wird es wahrscheinlich eher woanders hingehen wollen."

Geruch schreckt ab

Murray und sein Team sammelten in australischen Zoos jahrelang den Kot von Raubkatzen ein. Auf einer kleinen Koppel mit Ziegen platzierten sie dann an einem Futtertrog den Kot und beobachteten das Geschehen mit einer Videokamera. "Die Ziegen haben das wirklich nicht gemocht, sie haben sich dem Trog nicht genähert", sagte Murray. Dabei war der Kot von Raubkatzen wirksamer als der anderer Raubtiere. Auch Ziegenkadaver würden ihren Zweck erfüllen - sie hätten aber so sehr gestunken, dass den Forschern davon schlecht wurde.

Am besten wirkte der Kot, wenn dem Tiger vorher die Tiere verfüttert worden waren, gegen deren Artgenossen die Pflanzen geschützt werden sollen. "Es gibt in den Fäkalien dann nicht nur ein chemisches Signal, das sagt: 'Hoppla, das ist ein gefährliches Tier'", erklärte Murray. "Das Signal ist dann: 'Hoppla, das ist ein gefährliches Tier, das meine Freunde gefressen hat.'"

Die Forscher wollen zur Rettung der australischen Pflanzenwelt vor gefräßigen Tieren aber nicht dauerhaft die Zoos das Landes nach Raubkatzenfäkalien abklappern: Sie wollen den Tigergeruch in einem nächsten Schritt synthetisch herstellen und das Produkt dann auf den Markt bringen.

science.ORF.at/APA/AFP