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Roma-Sprache und "Stille Nacht" als Kulturerbe

Die Sprache der Burgenland-Roma, das Weihnachtslied "Stille Nacht" und zahlreiche regionale Faschings- und Feiertagsbräuche sind in das nationale Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen worden.

UNESCO 22.03.2011

Mit den 15 neuen Eintragungen umfasst die Liste nun 45 Positionen von der Handwerkskunst bis zu Ritualen und von landwirtschaftlicher Praxis bis zu Tänzen und Sprachen. Nicht in das Verzeichnis geschafft hat es die von Fußballfans praktizierte und eingereichte "Rapid-Viertelstunde".

Kulturelle Insel

Das Roman, den spezifischen Dialekt der Roma im Burgenland, aufzunehmen, sei ein wichtiger Schritt "zur Erhaltung dieser kulturellen Insel", so die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission Eva Nowotny bei einer Pressekonferenz heute, Dienstag. Vor allem die orale Tradition der Sprachweitergabe, etwa durch das Märchenerzählen, ist längst vom Aussterben begriffen.

"Ein paar hundert burgenländische Roma haben von den sieben- oder achttausend vor dem Zweiten Weltkrieg überlebt", so der Sprachwissenschafter Dieter Halwachs von der Universität Graz, der an einem Forschungsprojekt zum Roman arbeitet. "Das war eine Zäsur, die die sprachliche Tradition fast zerstört hat". Die gesellschaftliche Ausgrenzung und der Druck zur Assimilation, der schon lange auf der Volksgruppe liegt, hat die Identifikation mit der eigenen Sprache auch seither schwierig gemacht.

Köhlerei und Pecherei

Ebenfalls selten geworden sind nun von der UNESCO anerkannte Handwerkstechniken wie die Köhlerei oder die Pecherei. Die traditionelle und höchst anspruchsvolle Erzeugung von Holzkohle beherrschen noch etwa 15 Personen in Österreich, die Pecherei, bei der Harz zur Herstellung von Terpentinöl oder Kolophonium gewonnen wird, betreiben heute nur noch acht Pecher.

Fast ausgestorben wäre das Wirlinger Böllerschießen am Wolfgangsee, als das Böllern verboten wurde - durch spezielle Sicherheitstechniken haben die Wirlinger für ihre lange Feiertagstradition allerdings doch noch eine Genehmigung erhalten.

Volkstanzbewegung

Für ganz Österreich wurde die Volkstanzbewegung, die vor allem im urbanen Raum entstanden ist, aufgenommen. Aus Oberösterreich hat es der Lichtbratlmontag in Bad Ischl, der Windischgarstner Niglo-Umzug sowie der Ebenseer Fetzenzug in die Liste geschafft, aus Tirol das Anklöpfeln im Nordtiroler Unterland in der Vorweihnachtszeit sowie das "Mullen und Matschgern in den Martha-Dörfern".

In Vorarlberg würdigte der Beirat die Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald sowie die Flurnamen, in Salzburg den Dürrnberger Schwerttanz, die Gasteiner Perchten sowie das Weihnachtslied "Stille Nacht".

"Das war im Fachbeirat nicht ganz einfach", erzählte die Leiterin der Nationalagentur, Maria Walcher. "Weil das Lied selbst doch sehr allgemein ist". Die "Stille Nacht"-Gesellschaft habe es aber geschafft, zu zeigen, dass das Lied für viele Gemeinschaften "von der Familie bis zur Religion" ein integraler Bestandteil des Weihnachtsfestes sei.

"Rapid-Viertelstunde"

Ebenfalls lange diskutiert, aber einstimmig abgelehnt, wurde die "Rapid-Viertelstunde", bei der die letzte Viertelstunde eines Rapid-Fußballspieles eingeklatscht wird.

"Bei aller Würdigung der identitätsstiftenden Funktion schien es dem Fachbeirat doch sehr fragwürdig, ob ein bestimmter Ausdruck einer Fankultur die Kriterien erfüllt", so Nowotny. Von den Antragstellern sei nach der Entscheidung allerdings ein "reizender Brief" eingetroffen, in dem es hieß, "eine Schiedsrichterentscheidung ist eine Tatsachenentscheidung" und daher zu akzeptieren. "Da herrscht also kein Unwille, sondern Sportsgeist", lobte die Präsidentin.

Für die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes wird Österreich zunächst drei Posten einreichen: Die Reitkunst der Spanischen Hofreitschule, die Falknerei sowie den Imster Schemenlauf.

science.ORF.at/APA

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