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Ausschlag eines Seismografen

"Erdbeben sind praktisch überall möglich"

Starke Erdbeben, wie sie sich im September 2010 und Februar 2011 in der Nähe der Stadt Christchurch (Neuseeland) ereignet haben, sind praktisch immer und überall möglich - also auch in vermeintlich erdbebensicheren Gegenden.

Geologie 07.04.2011

Das erklärten Wissenschaftler bei der noch bis morgen, Freitag, in Wien organisierten Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU). Ursache für die beiden Beben war eine bis dato unbekannte Verwerfung, welche die vergangenen 16.000 Jahre seismisch inaktiv war. Die jüngsten Ereignisse sollten auch bei der aktuellen Debatte um die Sicherheit von Atomkraftwerken eine Rolle spielen, so die Wissenschaftler.

Nach den jüngsten Analysen von Seismologen war das Februar-Ereignis mit einer Stärke von 6,3 ein spätes, heftiges Nachbeben der Erdstöße vom September. Allerdings ereignete sich das erste in einer wenig besiedelten Region, während das Epizentrum des Bebens im Februar nur acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lag. Die nun unter anderem vom neuseeländischen Erdbebenforschungszentrum GNS Science untersuchte Verwerfung ist 15 Kilometer lang und befindet sich in hartem Fels.

"Neues Kapitel der Erdbebenforschung"

Erdbeben in solchem Untergrund können extrem selten, dafür aber umso heftiger ausfallen. Das war eine der Ursachen für die "Außergewöhnlichkeit dieses Ereignisses", wie Tim Davies von der University of Canterbury betonte. Abgesehen davon, dass das Bebenzentrum nahe der Stadt lokalisiert war, sorgten Besonderheiten in der Schichtung des Untergrundes dafür, dass die Bebenintensität bei der Annäherung an Christchurch effektiv fokussiert und verstärkt wurde. Auch waren die Verschiebungen vor allem vertikal, es wurden teilweise Werte mit der doppelten Erdbeschleunigung gemessen.

Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die jüngsten Beben in Neuseeland gleichsam ein neues Kapitel der Erdbebenforschung aufgeschlagen haben. Unbekannte Verwerfungen seien praktisch überall auf der Welt möglich. Das Aufspüren solcher Störungen sei zwar möglich, bisher aus Kostengründen aber nur bei begründeten Verdachtsfällen erforscht worden. Auch sage die Tatsache, dass eine derartige Verwerfung vorhanden sei, noch nichts über die Aktivität und die daraus entstehende Erdbebengefahr aus.

Mit dem Beben in Japan, das den verheerenden Tsunami ausgelöst hat, haben die Neuseeländischen Erdstöße direkt nichts zu tun, betonten die Wissenschafter. Indirekt ist in all diesen Fällen die Westdrift der Pazifischen Platte in der Erdkruste verantwortlich.

science.ORF.at/APA

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