Standort: science.ORF.at / Meldung: "Lipizzaner: Inzucht hat kaum negative Folgen"

Zwei Lipizzaner-Pferde

Lipizzaner: Inzucht hat kaum negative Folgen

Auch wenn Wien mit der Spanischen Hofreitschule als inoffizielle Welthauptstadt der Lipizzaner gilt, werden die Pferde heute in 21 Ländern gezüchtet. Die Pferde aller Gestüte sind genetisch ziemlich gleich ausgestattet, dennoch wirkt sich die Inzucht nur gering auf die Körperentwicklung aus.

Tiermedizin 11.04.2011

Die Lipizzaner gehen zum größten Teil auf die Gründerpopulation aus Lipica zurück, jenem namensgebenden Gestüt, das vom österreichischen Erzherzog Karl II. 1580 gegründet wurde. In einem großen EU-Projekt haben 30 Experten aus zwölf Ländern unter der Leitung von Gottfried Brem vom Institut für Tierzucht und Genetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien u.a. Herkunft und Geschichte, Gestüte, genetische Diversität, Variabilität der Fellfarben, Verwandtschaftsgrade und Typen der Lipizzaner untersucht.

Das Cover des Buchs "Der Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaft"

ÖAW

"Der Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaft", herausgegeben von Gottfried Brem, ist im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erschienen.

450 Jahre

Während die Domestikation des Pferdes durch den Menschen bereits vor rund 5.500 Jahren begann, ist die gemeinsame Geschichte Wiens und der Lipizzaner erst 450 Jahre alt. Als Gründertiere der als älteste Kulturpferderasse angesehenen Lipizzaner gelten Pferde neapolitanischen, spanischen und arabischen Ursprungs.

Der rekonstruierte Stammbaum geht bis zu 32 Generationen zurück. Die Aufzeichnungen aus den Anfängen des Gestüts in Lipica sind lückenhaft, die Hengste stammten hauptsächlich aus spanischen und italienischen Zuchten, soviel ist bekannt.

Lipizzaner standhafter

1735 wurde die Hofreitschule in Wien eröffnet. "Am Hof herrschte ein großer Bedarf an Gebrauchspferden, die größtenteils Lipizzanern waren. Diese wurden bevorzugt, da sie dem harten Stadtpflaster besser standhielten", berichten die Wissenschaftler.

Bei den genetischen Vergleichen fanden die Forscher nicht nur eine große Übereinstimmung zwischen den Gestüten, sondern auch einen "recht geringen Einfluss der Inzucht auf die Körperentwicklung" und konkrete Hinweise auf eine Genregion, die einen Einfluss auf allergische Reaktionen gegenüber Schimmelpilzen im Heu hat.

Dabei können die Wissenschaftler auch praktische Vorschläge zur Minimierung der Inzucht durch Austausch von Zuchttieren zwischen den einzelnen Gestüten geben.

Weißfärbung genetisch bedingt

Auch die Weißfärbung - eigentlich: Ergrauung - der Tiere ist genetisch bedingt. Die Neigung zu Melanomen (schwarzer Hautkrebs, Anm.), die bei den Lipizzanern im Vergleich mit dem Menschen relativ gutartig verlaufen, steht im Zusammenhang mit der Pigmentierung bzw. dem Verlust der Pigmentierung im Laufe des Heranwachsens.

science.ORF.at/APA

Mehr zum Thema: