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Pillen auf einer Hand.

Unverwundbar durch Vitaminpillen?

Zumindest in den Industriestaaten schluckt ungefähr die Hälfte aller Menschen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Abgesehen von den fragwürdigen gesundheitlichen Effekten wirkt sich dies einer experimentellen Studie zufolge eher nachteilig auf die Lebensweise aus.

Gesundheit 22.04.2011

Paradoxes Verhalten

Die Studie in "Psychological Science":

"Ironic Effects of Dietary Supplementation: Illusory Invulnerability Created by Taking Dietary Supplements Licenses Health-risk Behaviors" von Wen-Bin Chiou et al.

Auf die Idee zu seiner Studie kam der Forscher Wen-Bin Chiou von der National Sun Yat-Sen University, nachdem er das für ihn etwas unlogische Verhalten eines Kollegen beobachtet hatte. Dieser entschied sich nämlich bei einem gemeinsamen Essen für die ungesunde Variante, weil er zuvor Multivitamintabletten geschluckt hatte.

Im Rahmen der Untersuchung führte das Team um Chiou mehrere Experimente durch, um zu testen, welche Auswirkungen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel auf das anschließende Verhalten hat. Die Probanden wurden in zwei Gruppen geteilt. Beide erhielten in Wahrheit Placebos; einer sagten die Forscher allerdings, es handle sich um Vitamintabletten.

Lizenz zum Genuss

Die Ergebnisse legen nahe, dass jene, die annahmen Vitaminpillen geschluckt zu haben, anscheinend dachten, sie hätten ohnehin schon genug für ihre Gesundheit getan.

So hatten sie im Vergleich zur anderen Gruppen ein geringeres Bedürfnis, sich an sportlichen Aktivitäten zu beteiligen. Sie entscheiden sich lieber für ein reichhaltiges Buffet als für eine Bio-Mahlzeit und gingen weniger häufig zu Fuß. Laut den Forschern fühlten sie sich offensichtlich aufgrund der Vitamintabletten gesundheitlich unverwundbar und neigten daher eher zu riskanten und ungesunden Verhaltensweisen.

"Menschen, die sich auf Nahrungsergänzungsmittel verlassen, zahlen unter Umständen einen versteckten Preis dafür: den Fluch einer scheinbar zulässigen Genusssucht", so Chiou. Was eigentlich der Gesundheit dienen sollte, hätte so letztlich sogar den gegenteiligen Effekt.

science.ORF.at

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