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Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001

Wie Verschwörungstheoretiker ticken

Die NASA hat den Mondflug nur fingiert, die USA stecken selbst hinter den Anschlägen des 11. September, die Illuminaten unterwandern die Welt: Verschwörungstheorien können gar nicht absurd genug sein, um nicht dennoch Anhänger zu finden. Wie man veranlagt sein muss, um an sie zu glauben, haben nun britische Psychologen untersucht.

Psychologie 06.05.2011

Offenbar ist es so, dass Verschwörungstheorien besonders bei jenen Menschen beliebt sind, die selbst bei einer Verschwörung mitmachen würden. Was sie sich selbst zutrauen, trauen sie auch "denen" zu, meinen Karen Douglas und Robbie Sutton von der School of Psychology an der Universität in Kent.

Die Studie:

"Does it take one to know one? Endorsement of conspiracy theories is influenced by personal willingness to conspire" von Karen Douglas und Robbie Sutton ist im "British Journal of Social Psychology" erschienen.

Rücksichtsloser und unmoralischer

Im ersten Teil ihrer Studie untersuchten die Forscher, inwiefern die rund 250 Probanden selbst bereit wären, an einer Verschwörung teilzunehmen. Je mehr sie Fragen wie "Stellen Sie sich vor, Sie sind Regierungsmitglied: Hätten Sie den Angriff auf das World Trade Center befohlen?" mit Ja beantworteten, desto eher fanden sie diese Verschwörungstheorie plausibel oder zumindest überlegenswert. In Selbsteinschätzungen erwiesen sich die Verschwörungstheoretiker auch als rücksichtsloser gegenüber anderen: Sie waren eher bereit, andere für eigene Zwecke auszunutzen, als die skeptischeren Studienteilnehmer.

Im zweiten Studienteil bedienten sich die Forscher der unter Psychologen beliebten Technik des Priming. Dabei werden die Probanden bestimmten Reizen ausgesetzt, die danach ihr Verhalten beeinflussen. So mussten sich die Studienteilnehmer von Karen Douglas und Robbie Sutton an Situationen erinnern, in denen sie anderen Menschen geholfen hatten. Dadurch sollten sie sich ihrer eigenen Fähigkeit zu moralischem Handeln bewusst werden. Diese "moral-geprimede" Gruppe erwies sich als weniger anfällig, an Verschwörungen teilzuhaben oder an diese zu glauben als eine Kontrollgruppe.

Eigenes auf andere projizieren

Ö1 Sendungshinweis:

Auch der Tod Osama bin Ladens ist ein Anlass für Verschwörungstheorien, etwa in Pakistan selbst, wie das Morgenjournal am 6.5. berichtete.

"Wir wollten auch wissen, warum Verschwörungstheorien im Zeitalter des Internets zugestimmt wird, wo Menschen ganz unterschiedliche Informationsquellen zur Verfügung haben", erklärt Douglas in einer Aussendung der Uni Kent. Offenbar, so die Forscher, führt genau diese Vielfalt zu einer Verwirrung der Menschen, die daraufhin in Projektionen flüchten: in die Annahme, dass andere genauso handeln würden wie sie selbst.

"Wir sagen nicht, dass alle Verschwörungstheoretiker unmoralisch sind oder auf ihren Glauben einzig durch Projektionen gestoßen sind", sagt Douglas. Eine Rolle spielt der von den Forschern untersuchte Mechanismus aber in jedem Fall.

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