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Rekonstruktion eines Ursäugers

Riechen und Tasten für große Gehirne

Säugetiere haben ihr großes Gehirn vermutlich ihrem guten Geruchssinn zu verdanken. Einer US-Studie zufolge gab die Verbesserung des Geruchssinns bei den Ur-Säugern den Anstoß zu einem kräftigen Entwicklungsschub des Gehirns.

Neuro-Evolution 20.05.2011

Auch die verbesserte Fähigkeit, Berührungen mit den Körperhaaren zu spüren, trug zum Wachstum des Gehirns bei, berichten US-Forscher nach der Untersuchung von zwei Tieren, die vor etwa 190 Millionen Jahren auf der Erde lebten.

Vergleich mit Zeitgenossen und Nachfahren

Die Studie

"Fossil Evidence on Origin of the Mammalian Brain" ist im Fachblatt "Science" (Bd. 332, S. 955) erschienen.

Unter allen lebenden Tiergruppen haben Säugetiere das im Vergleich zu ihrem Körper größte Gehirn. Timothy Rowe von der University of Texas in Austin und seine Mitarbeiter untersuchten nun die Gehirne von zwei der frühesten Säugetiervorläufer aus dem frühen Jura in China: Es handelte sich dabei um Morganucodon oehleri, einen spitzmausähnlichen Vertreter der Säugtierartigen und um Hadrocodium wui, einen winzigen, nur zwei Gramm schweren Ur-Säuger.

Die Wissenschaftler analysierten die fossilen Schädel der Tiere per Computertomographie. Dies erlaubte es ihnen, einen virtuellen Abdruck des inneren Schädels zu erstellen und daraus Größe und Gestalt des Gehirns und der Nasenhöhle zu rekonstruieren, ohne die kostbaren Fossilien zu zerstören. Das Team verglich die Abdrücke dann mit denen von mehr als einem Dutzend anderer Fossilien und zudem mit etwa 200 heute lebenden Säugetieren.

Kleiner Säugerschädel zwischen zwei Fingern

Mark A. Klingler/Carnegie Museum of Natural History

Der rund 12 Millimeter große Schädel von Hadrocodium wui

Es zeigte sich, dass Morganucodon und Hadrocodium ein etwa 50 Prozent größeres Gehirn besaßen als selbst ihre nächsten damals lebenden Verwandten. Das Verhältnis von Gehirn zu Körpergröße entsprach in etwa der moderner Säugetiere.

Riechkolben stark vergrößert

Die genauere Untersuchung der Hirnabdrücke ergab, dass vor allem die Nasenhöhle und die Regionen des Gehirns zur Wahrnehmung von Gerüchen stark vergrößert waren. Dies deute auf einen stark verbesserten Geruchssinn der Ur-Säuger hin, schreiben die Forscher. Außerdem seien die Hirnregionen, die zur Verarbeitung von Berührungsreizen des Fells genutzt wurden, vergrößert.

"Ein derart hoch entwickelter Geruchs- und Tastsinn war für das Überleben und Gedeihen der Säuger in der Frühzeit unserer Entwicklung äußerst wichtig", sagte der an der Untersuchung beteiligte Forscher Zhe-Xi Luo vom Carnegie Museum of Natural History laut einer Pressemitteilung. Schließlich habe das Gehirn mit der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten eine weitere Vergrößerung erfahren, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.

science.ORF.at/dpa

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