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Porträt von Madonna

Gossip macht Gesichter auffällig

"Windschnell eilt das Gerücht dahin", wusste bereits Vergil. Und einmal angekommen, verändert es offenbar auch unsere Wahrnehmung von Menschen - aber nur dann, wenn es ein bösartiges Gerücht ist.

Psychologie 20.05.2011

Unbewusste Verschiebung

Lisa Barrett, eine Psychologin von der Northeastern University in Boston, berichtet von einem Experiment namens "binokulare Rivalität": Sie präsentierte Probanden zwei Bilder: Vor einem Auge das Portrait eines Menschen, vor dem anderen das Bild eines Objekts, etwa eines Hauses. Um die konkurrierenden Bilder wahrnehmen zu können, entscheidet sich das Gehirn mehr oder weniger zufällig für eines der beiden und unterdrückt das jeweils andere.

Die Studie

“The Visual Impact of Gossip“ ist im Fachblatt Science erschienen (doi: 10.1126/science.1201574).

Barrett gab den Teilnehmern der Studie zu manchen Gesichtern gewisse Vorinformationen. Man könnte auch sagen: Sie verbreitete Gerüchte über die betreffenden Personen. Im Fall positiver oder neutraler Geschichten änderte das nichts an der Wahrnehmung, negative Gerüchte indes taten das sehr wohl, wie die Psychologin im Fachblatt "Science" schreibt. Hatten die Probanden etwa gehört, die dargestellte Person habe "einen Stuhl nach einem Klassenkameraden geworfen", verschob sich der visuelle Fokus bei den Tests regelmäßig in Richtung Portrait.

Zwar komme es im Alltag sehr selten vor, dass die Augen zwei komplett unterschiedliche Bilder sehen würden, betont Barrett gegenüber dem Newsdienst von "Science". "Dennoch legen diese Ergebnisse nahe: Wenn wir negativen Gossip über eine Person gehört haben, nehmen wir sie in der anonymen Masse eher wahr. Das ist bemerkenswert."

Robert Czepel, science.ORF.at

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