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Die Giftgasmorde der Nazis

Eine wissenschaftliche Neuerscheinung hat sich den Methoden der nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas angenommen. In dem Studienband wird der aktuelle Wissensstand zusammenzutragen und dabei viele Aspekte und Details schnörkellos und schonungslos beschrieben.

Zeitgeschichte 06.06.2011

Das Buch, das Montagabend im Wiener Wiesenthal Institut präsentiert wird, erörtert nicht zuletzt auch die Leugnung von Gaskammern, die immer wieder auch die österreichische Politikszene beschäftigt - zuletzt im Präsidentschaftswahlkampf 2010.

Von Kohlenmonoxid bis Zyklon B

Das Buch:

"Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung", herausgegeben von Günter Morsch und Bertrand Perz unter Mitarbeit von Astrid Ley ist im Metropol Verlag erschienen.

Die empirischen Beiträge widmen sich zunächst technischen, chemischen und pharmakologischen Aspekten der Massenmorde durch Giftgas. Darunter mit der Wirkung der verschiedenen Giftgase - von reinem Kohlenmonoxid in Druckgasflaschen, wie sie in den Tötungsanstalten der T4-Organisation verwendet wurden, über Motorenabgase, die in Gaswagen wie stationären Tötungseinrichtungen vor allem im besetzten Osteuropa als Tötungsmittel eingesetzt wurden, bis hin zum Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B und anderen Blausäurepräparaten, die vor allem in Konzentrationslagern, insbesondere in Auschwitz, Verwendung fanden.

Das dritte Kapitel setzt sich mit der Genese, dem Verlauf, den organisatorischen, institutionellen und technischen Rahmenbedingungen wie der konkreten Durchführung der systematischen Tötung von kranken und behinderten Menschen durch Kohlenmonoxid unter dem Tarnnamen "Aktion T4" auseinander. So gehen die Autoren davon aus, dass die generelle Einführung des Zyklon B-Verfahrens zur Schädlingsbekämpfung für die Wahl des Giftes als Tötungsmittel in den Konzentrationslagern entscheidend war.

Kriegsgefangene, Juden, Sinti, Kranke

Anschließend wird der Übergang von der "Aktion T4" zum Massenmord an den europäischen Juden erläutert. Richtete sich diese Tötungstechnologie 1941 zunächst gegen sowjetische Kriegsgefangene, so wurde sie im Laufe des Jahres 1942 zu einer vorrangig für den Mord an den Juden sowie Sinti und Roma verwendeten Methode, die zur Tötung von etwa einer Million Menschen führte. Gegen Ende des Krieges dienten die Gaskammern zunehmend zur Tötung kranker Häftlinge in den durch Evakuierungstransporte überfüllten Lagern.

Besonders deutlich wird dies im KZ Mauthausen, wo bis Ende 1944 die Gaskammer ausschließlich zur Durchführung angeordneter Exekutionen von Häftlingen oder zur Tötung überstellter Personen genutzt worden war, nun aber der Mord an Kranken, derer sich die Lagerleitung entledigen wollte, in den Vordergrund trat.

Tausende Tote in Mauthausen

Das Konzentrationslager Mauthausen nimmt in Bezug auf Tötungen durch Giftgas, betrachtet man die Entwicklung innerhalb des Systems der Konzentrationslager, eine besondere Stellung ein. Sieht man von Auschwitz ab, ist Mauthausen nicht nur jenes Lager, in dem als erstes Zyklon B systematisch zur Tötung von Menschen eingesetzt wurde, es sind auch mehr Häftlinge durch Giftgas getötet worden als in den anderen Konzentrationslagern auf Reichsgebiet.

In einer 1941/42 in Mauthausen eigens errichteten Gaskammer wurden mindestens 3.455 Menschen mit Zyklon B erstickt; mindestens 823 Menschen waren Opfer einzelner improvisierter Tötungsaktionen unter Verwendung von Zyklon B im Zweiglager Gusen 1942 und 1945; in einem Gaswagen, der im Zeitraum 1942/43 zwischen den Lagern Mauthausen und Gusen verkehrte, wurden mindestens 900 Häftlinge ermordet.

Tötungsanstalt Hartheim

Etwa 5.000 kranke, geschwächte und auch jüdische Häftlinge wurden im Rahmen der "Aktion 14f13" und auch noch 1944 in die "T4"-Tötungsanstalt Hartheim transportiert. Mit Schloss Hartheim, rund 18 km westlich von Linz gelegen, befand sich eine der insgesamt sechs Tötungsanstalten der NS-Euthanasieaktion "T4" auf dem Gebiet der damaligen "Ostmark". Die Dauer des Aufenthalts dort war nur kurz und richtete sich "nach Maßgabe der Kapazitäten der Tötungseinrichtung".

science.ORF.at/APA

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