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Pasterzenzunge, bereits ausgeapert im Mai 2011

Der Schnee auf den Gletschern rinnt davon

Der Salzburger Gletscherfoscher Heinz Slupetzky meldet einen neuen Negativrekord: Auf dem Stubacher Sonnblickkees wurde kürzlich eine Schneehöhe von nur noch 1,10 Metern gemessen. Der Sommer könnte den heimischen Gletschern nochmals massiv zusetzen, schreibt er in einem Zwischenbericht zu seinem traditionellen Gletschertagebuch.

Gletschertagebuch 07.06.2011

Ein Minimum an Schneehöhe am 1. Juni

Von Heinz Slupetzky

Porträtfoto Heinz Slupetzky

Universität Salzburg

Heinz Slupetzky ist Professor i. R. am Fachbereich Geografie und Geologie der Universität Salzburg. Er war Leiter der Abteilung für Gletscher- und vergleichende Hochgebirgsforschung sowie der Hochgebirgs- und Nationalparkforschungsstelle Rudolfshütte. Für science.ORF.at führt er seit 2003 ein Gletschertagebuch - in diesen Jahren ging es mit dem Gletschereis stetig bergab, ein Ende des Trends ist nicht abzusehen.

Am langjährigen Messpunkt - seit 1973 - auf dem Stubacher Sonnblickkees (in den Hohen Tauern) in 2.505 Meter Seehöhe wurde am 1. Juni 1,10 Meter Schneehöhe gemessen. Damit wurde der bisherige geringste Wert vom Jahr 2007 eingestellt.

Von 1. Mai bis 1. Juni 2011 sind 1,30 Meter Altschnee abgeschmolzen. Die drei kühlen Phasen im Mai mit Schneefällen haben den Schneedeckenabbau nur verzögern können, da danach sofort wieder sommerliche Temperaturen folgten; immerhin wären ohne diesen Neuschneezuwachs auch die noch vorhandenen 1,10 Meter weg.

Das Obersulzbachkees ist seit Anfang Mai stärker ausgeapert, die grauen Eisflächen sind größer geworden.

Kuersinger.at

Das Obersulzbachkees ist seit Anfang Mai stärker ausgeapert, die grauen Eisflächen sind größer geworden

Rekordverlust 2003

Am 1. Juni 2007 lagen 1,10 Meter Schnee, von denen am 1. Juli nur noch 45 Zentimeter übrig blieben. Am Ende des Sommers 2007 hatte das Stubacher Sonnblickkees eine negative Massenbilanz von fast minus drei Millionen Kubikmeter.

Am 1. Juni 2003 lagen immerhin 2,90 Meter, die sich aber bis 1. Juli auf nur noch 90 Zentimeter verringerten. Der ungewöhnlich heiße Sommer 2003 führte zum bisherigen Rekordverlust an Eismasse von minus vier Millionen Kubikmeter in einem Jahr.

Bevorstehender Massenverlust

Gleich zu Sommerbeginn standen die Vorzeichen für das Stubacher Sonnblickkees auf Massenverlust und damit mehr oder weniger auch für alle Alpengletscher. Wenn die Altschneehöhen auf den Gletschern heuer Anfang Juli ähnlich gering sind wie 2007 und der Sommer annähernd heiß wird wie 2003, dann gibt es einen neuerlichen großen Massenverlust der Gletscher.

Es müsste schon ein markant schlechter, kühler, verregneter und sonnenscheinarmer Sommer kommen, um einen Massenverlust zu verhindern oder in Grenzen zu halten.

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